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Revolutionsforscherin Bini Adamczak
Foto: *björn stork

Rote Ruhr

21. Dezember 2017

„Revolutionary Leftovers“ in Mülheim – das Besondere 01/18

Eine Erinnerungskultur, die sowohl der Vergangenheit gedenkt als auch Verantwortung für die Gegenwart übernimmt, muss Generation für Generation zeitgemäß vermittelt werden. Bei AfD-Rechtsaußen Björn Höcke hat das nicht gefruchtet, bedenkt man seine Verunglimpfung des Berliner Holocaust-Mahnmals als „Denkmal der Schande“. Die PolitikaktivistInnen vom „Zentrum für politische Schönheit“ mieteten daher ein Grundstück neben Höckes Haus in Thüringen und setzten ihm einen Nachbau der Berliner Stelen vor die Nase. Die Hoffnung auf die Lernfähigkeit Höckes hält sich in Grenzen, aber die Aktion zeigt, dass Erinnerungskultur innovativere Methoden wagen sollte als in Schulbüchern oder Guido Knopp-TV-Formaten üblich.

Neue Wege des Erinnerns beschreitet auch das Theaterkollektiv EGfKA (Europäische Gemeinschaft für Kulturelle Angelegenheiten). In Kooperation mit dem Ringlokschuppen setzt sich das EGfKA vom 11.-15. Januar unter dem Titel „Revolutionary Leftovers“ theoretisch, politisch, praktisch und künstlerisch mit einem fast vergessenen Ereignis auseinander: dem Ruhraufstand von 1920. Die auch als Ruhrkrieg oder Märzaufstand bezeichnete Revolte breitete sich als Reaktion auf einen rechten Putschversuch in Berlin gegen die noch junge Weimarer Republik im Ruhrgebiet aus. Von Bochum über Essen bis Wesel gingen tausende Arbeiter auf die Straße. Der Putsch in Berlin misslang, aber auch der Ruhraufstand wurde blutig niedergeschlagen. Heute zeugen nur noch wenige Denkmäler der damals getöteten Aufständischen von dem Ereignis.

Mit Vorträgen, Diskussionen und Performances soll im Rahmen der Veranstaltung hinterfragt werden, warum der Aufstand von 1920 heute vergessen ist und was der Blick zurück über unsere Gegenwart und Zukunft lehren kann. Unterstützung holt sich das Kollektiv von regionalen Politik- und KunstaktivistInnen sowie von der Revolutionsforscherin Bini Adamczak. Am 12. Januar referiert die Autorin zum Thema „Historical Futures“. Darin wird es unter anderem um die queerfeministischen Implikationen revolutionärer Bewegungen gehen.

Revolutionary Leftovers: #1 Local Uprisings Ruhraufstand | 11.-15.1. | Makroscope, Friedrich-Ebert-Str. 48, Mülheim a.d. Ruhr | www.ringlokschuppen.ruhr

Maxi Braun

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