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Fragen der Zeit      Zukunft JETZT

FRAGEN DER ZEIT
Redaktionsskizze: wie trailer & Co. das jeweils nächste Thema planen.

Drei Magazine in NRW – ein THEMA

Foto: Africa Studio / Adobe Stock

Die Welt in unseren Händen. Ein großes Wort – aber längst Alltag. Was braucht es, damit allein Kaffee, Tee, Kakao oder Bananen einmal in hiesigen Marktregalen landen. Ganz zu schweigen davon, was alles im Smartphone zusammenkommt: von der Metallgewinnung, vielleicht im Kongo oder in der Provinz Fujian bis zur finalen Fertigung vielleicht im indischen Noida? Welche Kunststoffmischungen? Welches Wissen internationaler Teams in den Bereichen Logistik, Konstruktion, Programmierung, Design und Marketing? Welche Arbeitsleistungen, oftmals unter ausbeuterischen, lebens- und gesundheitsgefährdenden Bedingungen? Welche Naturzerstörung? Ob Hemd, Hose, Schuh, Notebook, PKW, Jumbojet, Kreuzfahrtschiff, Staudamm oder Gas-Pipeline: Konsum verbindet die Welt; wobei „verbinden“ nicht „vereinen“ bedeutet. Harmlose Kaufentscheidungen gibt es nicht mehr. Was in ein Produkt eingeht, wie es genutzt wird und was nach der Nutzung geschieht, das entscheidet wesentlich darüber, wie es Mensch und Umwelt ergeht. Das kann einem gleichgültig sein, aber unwissend kann sich niemand mehr stellen. Es ist kein Geheimwissen, wenn es längst im Frühstücksfernsehen angekommen ist. Aus dem Wissen ergibt sich allerdings keine Macht, sondern vielmehr Ohnmacht. Konsum nur mit bestem Gewissen ist nicht möglich, sondern schädlich(st)er Kosum ist unvermeidbar. Aber es gibt Spielräume, z.B. sich für ein besseres Produkt zu entscheiden, darauf ganz zu verzichten oder für ein besseres Gesetz zu streiten. Die Besserung könne sogar das Miteinander der Staaten betreffen, besagt die alte Hoffnung „Wandel durch Handel“, zugespitzt also: vom wirtschaftlichen Nebeneinander zum friedlichen Miteinander.
Lebt die Hoffnung weiter?

 

Teil 1: GLOBALE WUNDEN


Seltene Erden, Metalle, deren Eignung für digitale Produkte schier unverzichtbar scheint, hinterlassen auch Spuren der Verwüstung – sozial und ökologisch. Arbeiter sind radioaktiven Materialien ausgesetzt, die mit seltenen Erden vorkommen und Säuren, mit denen die Metalle aus Erzen gelöst werden. Arbeitsschutz und nachhaltige Entsorgung der Säuren (gegen eine Kontaminierung von Grundwasser und Atemluft) spielen Kritikern zufolge kaum eine Rolle. Im Umfeld von Minen bedroht Wilderei die Bestände seltener Arten. – Eine Studie (u.a. Inkota, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Misereor) hat Doppelstandards im Pestizidhandel aufgedeckt. Pflanzenschutzmittel, die aufgrund ihrer Gefährlichkeit vom europäischen Markt ausgeschlossen sind, vertreiben Unternehmen wie Bayer und BASF dennoch im Ausland, betroffen sind insbesondere Südafrika und Brasilien, mit schweren Folgen für Menschen und Umwelt; obwohl die Konzerne sich bewusst seien, dass es vor Ort keinen auch nur annähernd angemessenen Arbeitsschutz, keine gesundheitliche Aufklärung und keine Entsorgungssysteme gebe. Die Studie plädiert an die EU und an Brasilien und Südafrika, Ex- und Import der Pestizide zu beenden, an die Produzenten, keine derart gefährlichen Mittel herzustellen. – Wie steht es in diesen Fällen um grenzübergreifenden Verbraucher- und Umweltschutz? Wie streng könnten in absehbarer Zeit Märkte reglementiert werden, die Luxus- und Grundbedürfnisse (Elektronik und Nahrung) dermaßen lukrativ bedienen?

 

Teil 2: GLOBALER WANDEL

 

Seit Jahrzehnten sind die USA berüchtigt für (formal gesprochen) politische Interventionen in anderen Ländern: Regimewechsel und Kriege. Im gleichen Zug wurden sie als globale Sicherheitsmacht hoch geschätzt. Seit der Gleichgültigkeit Trumps gegenüber diesen Fragen und einem neuen sog. Handelskrieg ist die Beziehung der USA zu Deutschland und anderen Ländern schwer angeschlagen. Die Regierung der neueren globalen Handelsmacht China erstrebt im Inneren die totale soziale Kontrolle und geht vor gegen Kritiker, Minderheiten, unabhängigen Journalismus oder freie Onlinekommunikation. Staaten, die das kritisieren, riskieren Verluste auf dem chinesischen Markt. Das zwiespältige Verhältnis Russlands zu Europa steht derzeit mit Nordstream und
mutmaßlichen Morden und Mordanschlägen im Auftrag der russischen Regierung im Schlaglicht. Innerhalb Europas kollidieren politische und wirtschaftliche Interessen mit Entwicklungen wie beispielsweise in Polen, wo LGBTIQ um ihre Sicherheit fürchten müssen und mit einer Flüchtlingspolitik, die die politische innereuropäische Solidarität widerlegt zu haben scheint. – Sind das die Konsequenzen einer Globalisierung, die letztlich nie etwas anderes erstrebt hat als wirtschaftliche Vorteile und die Menschenrechte und Nachhaltigkeit letztlich rhetorisch vertritt? Oder verstellen diese Entwicklungen den Blick auf die großen humanitären Erfolge auch der wirtschaftlichen Globalisierung? Sind Rückschläge anzuerkennen und neue Erfolge zu erstreiten?

 

Teil 3: GLOBALE VERANTWORTUNG


Die Bundesregierung ringt darum, die Industrie für ihre Lieferketten verantwortlich zu machen, genauer dafür, dass Menschenrechte eingehalten werden – wie von den Vereinten Nationen beschlossen. Gegenüber stehen sich namentlich auf der einen Seite der scheidende Entwicklungsminister Gerd Müller und Arbeitsminister Heil, die Unternehmen ab 500 Beschäftigten in die Verantwortung nehmen möchten und auf der anderen Seite Wirtschaftsminister Altmaier, nach dem ein Gesetz erst ab 5000 Beschäftigten greifen soll – eine unverantwortlich Verwässerung des Vorhabens, entgegnen Kritiker. Für verantwortliche Lieferketten stehen bereits diverse Unternehmen (Fairphone, Vaude, Continental …); es geht also, ob perfekt oder auch bloß wesentlich besser. Und: Nicht alle Lieferketten sind problematisch, viele vergleichsweise überschaubar und der größere Aufwand für die problematischen Fälle gerade von größeren Betrieben leistbar, heißt es – zumal die Betriebe ohnehin bereits 'Insiderwissen' haben und sich entsprechend leicht prüfen und ihr Wissen öffentlich machen könnten. Und könnte ein Stopp z.B. für sensible Produkte aus (Bürger-)Kriegsgebieten nicht auch ein dringend notwendiger Impuls dafür sein, endlich gleichwertigen und nachhaltigen Ersatz zu finden?

 


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