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Schmerzbetrug

FRAGEN DER ZEIT – Zukunft JETZT


POLITIK-LABOR – Ein Thema, drei Schwerpunkte: Aufmacher, Interviews, Europa-Artikel, Glosse und Lokaltexte aus Köln, Wuppertal und dem Ruhrgebiet

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Composing: Robert Michalak

Schmerzbetrug / Medikamentenmissbrauch
Intro 10/20 (Link zur Langfassung)

Wachstumsmarkt Schmerz? Bis zu 1,9 Millionen Menschen in Deutschland gelten als abhängig von Medikamenten, nicht zuletzt von Schmerzmitteln; eine Abhängigkeit, die sich auch in einer ärztlich begleiteten Therapie entwickeln kann. Nicht zuletzt ein aggressives Marketing der Medikamentenfirmen wird für den Anstieg der Verschreibungen verantwortlich gemacht. Doch daraus folgen keine grundsätzlichen Argumente gegen medikamentöse Schmerzlinderung. Im Gegenteil ist unzähligen Schmerzpatient:innen nur mit solch hochsensiblen Medikamenten zu helfen, ein lebenswertes Leben erst zu ermöglichen. Richtig ist aber auch, dass vielen Wehwehchen weniger durch Pillen und Tropfen beizukommen ist, sondern vielmehr durch einen Lebenswandel, der die eigenen Bedürfnisse ernst nimmt, körperliche, seelische und geistige. Wie gehen Mediziner:innen, wie gehen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft mit diesen Gegensätzen um?

Schmerzbetrug / Medikamentenmissbrauch
TEIL 1: Vom Arzt zur Sucht

Laut Expert:innen galt Deutschland lange als Entwicklungsland in Sachen Schmerztherapie. Entsprechend begrüßen sie die mittlerweile große Auswahl an Medikamenten, mit denen Schmerz- und Krebspatient:innen entscheidend geholfen werden kann. Trotzdem bereiten Falsch-Verschreibungen Probleme. Viel hilft viel, scheine die Devise zu sein. Drängen auch Patient:innen selbst mehr, statt sich zu fragen: Was kann ich für meine Gesundheit tun, durch Bewegung, bessere Ernährung, ausreichend Schlaf?

Schmerzbetrug / Medikamentenmissbrauch
TEIL 2: Hilft die Natur?

Rein pflanzlich, naturheilkundlich und alternativ bedeutet nicht harmlos, schonend und selbstheilungskräftigend. Auch naturheilkundliche Mittel enthalten (medizinisch nachweisbare) Wirkstoffe, und es sind riskante Nebenwirkungen möglich. Ist es Zeit, die Opposition biochemischer 'harter' und naturheilkundlicher 'sanfter' Mittel zu überwinden und stattdessen das Kriterium der Evidenz heranzuziehen? Und scheitern nicht auch zahlreiche konventionelle Mittel am Evidenztest?

Schmerzbetrug / Medikamentenmissbrauch
TEIL 3: Vom Rausch in den Wahnsinn

Was stark wirkt, lässt sich leicht missbrauchen, und Schwächeres entfaltet kombiniert extreme Wirkung: Die Einnahme eines frei verkäuflichen Durchfall- und eines Krampfmedikaments ist bei Konsument:innen für eine Opiate übertreffende Rauschwirkung beliebt. Es kann nicht darum gehen, Menschen jeden Rausch zu verweigern. Trotzdem stellt sich die Frage, ob die Markt-Freigabe der betreffenden Substanzen  mit der gebotenen Strenge erfolgt und wie auf systematischen Missbrauch reagiert wird.

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