Romeo zischt sich noch ein Hansa-Pils aus der Dose, als Julia schon längst auf der Tanzfläche zappelt. Mit Brünhild-Frisur bewegt sie sich unter einer von der Angel hängenden Discokugel zu ABBAs „Dancing Queen“. Ja, so ungeniert-prollig interpretieren sie im Schwerter Theater am Fluss Shakespeares Tragödie über das wohl berühmteste Liebespaar.
Doch unter der Regie von Lars Blömer haben sie sich gleich vorgenommen, das gesamte Œuvre auf die Bühne zu bringen. Das Ergebnis unter dem ambitionierten Titel „Shakespeares Sämtliche Werke (leicht gekürzt)“ lief bereits im Theater am Fluss erfolgreich. Im Rahmen der Schwerter Kleinkunstwochen wurde die Shakespeare-Parodie nun in der Sparkassenfiliale aufgeführt. Wo sonst Geld abgehoben oder Bausparverträge abgeschlossen werden, fanden diesmal wilde Kostüme und Requisitenwechsel statt. Denn aus den rund 37 abendfüllenden Stücken und 1.834 Rollen machen die drei Schauspieler in bester Monty-Python-Tradition ein Best-of von nicht mal zwei Stunden. Mit Klamauk gegen den Kanon.
Seit dem 27. Januar unterhalten die Schwerter Kleinkunstwochen schon mit einer unterhaltsamen Mischung: Comedy, Kabarett, Musiktheater, Mime, Poetry Slam oder Figurentheater locken noch bis Anfang Mai. Das Motto der bereits 62. Ausgabe: „Tagtraumtänzer & Tudochgute“.
Wie das umgesetzt wird, das entscheiden die Künstler natürlich selbst. So wie Jan-Phillip Zymny, der mit seinen Nonsens-Slam-Salven bereits am 24. März den Sparkassen-Saal füllte. In seinem aktuellen Programm „Kinder der Weirdness“ schnürt der zweifache deutsche Meister im Poetry Slam so unterschiedliche Themen wie Angst, Liebe und Nazis zu einer Solo-Gaga-Show.
In diesem Jahr konnten die VeranstalterInnen wieder namhafte Künstler in die östliche Ruhrgebietsstadt holen wie etwa den Schauspieler Axel Prahl. Noch im letzten Jahr wurde der studierte Musiker für sein „Inselchorchester“-Projekt mit dem Schwerter Kleinkunstpreis ausgezeichnet. Dieser wird auch 2018 verliehen, unter musikalischer Begleitung von „Die Feisten“. In der Rohr-Meisterei wird das Pop-A-Cappella-Comedy-Duo aus ihrem Programm „Nussschüsselblues“ spielen.
Bis dahin geht es noch weiter im Programm: Am 13. April eröffnet der Kabarettist Maxi Schafroth mit seinem Programm „Faszination Bayern“ ungeahnte Perspektiven auf den Freistaat. Seine Reise vom Lech bis nach München ist die Fortsetzung seines Vorgänger-Programms „Faszination Allgäu“, die der Prix-Pantheon-Preisträger zur Trilogie ausbauen will. Den Abschluss macht am 27. April Timo Wopp mit seiner temporeichen Kabarett-Show „Moral – Eine Laune der Kultur“. Das Kleinkunst-Szenen-Format bietet auch in diesem Jahr alles außer Hochkultur. Auch wenn Shakespeare mit im Programm steht.
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Spaß auf ganz hohem Niveau
Die 64. Kleinkunstwochen in Schwerte – Bühne 02/20
Much ado about something
Shakespeare Festival in Neuss – Start des Vorverkaufs am 23.3.
Festival der Kunstfertigkeiten
63. Schwerter Kleinkunstwochen – das Besondere 02/19
Ein Lob für positive Gedankenlosigkeit
Die Schwerter Kleinkunstwochen haben begonnen – Prolog 02/18
Alles außer Tiernahrung
Schwerter Kleinkunstwochen 2017 – das Besondere 01/17
Theater in 2D
„National Theatre Live“ im Metropolis Kino in Bochum – Bühne 04/16
Bett trifft Ballett
„Frida“ am Dortmunder Ballett – Tanz an der Ruhr 02/26
„Ein ungewöhnlicher Frauencharakter“
Dramaturgin Patricia Knebel über die Oper „Die Fritjof-Saga“ am Essener Aalto-Theater – Interview 02/26
„Das Stück stellt uns vor ein Dilemma“
Regisseurin Mateja Koležnik über „Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten“ in Bochum – Premiere 02/26
Zurück in den Sumpf!
Jean-Philippe Rameaus „Platée“ am Theater Hagen – Bühne 02/26
Witz, Tempo, Herz
Paul Abrahams Operette „Märchen im Grand-Hotel“ in der Oper Dortmund - Bühne 02/26
Das eigentliche Böse
„Deep Sea Baby“ im Mülheimer Ringlokschuppen Ruhr – Prolog 01/26
Manischer Maskenball
„Delirious Night“ auf PACT Zollverein in Essen – Tanz an der Ruhr 01/26
Die Flut aus toten Körpern
„Staubfrau“ am Theater Oberhausen – Prolog 01/26
„Eine Referenz auf Orte im Globalen Süden“
Regisseur:in Marguerite Windblut über „Der Berg“ am Essener Grillo-Theater – Premiere 01/26
Praktisch plötzlich doof sein
Helge Schneider präsentiert seine neue Tour – Prolog 12/25
Tanzbein und Kriegsbeil
Filmdoku in Düsseldorf: Urban Dance in Kiew – Tanz an der Ruhr 12/25
Der böse Schein
„Söhne“ in der Moerser Kapelle – Prolog 12/25
„Totaler Kulturschock. Aber im positiven Sinn“
Schauspielerin Nina Steils über „Amsterdam“ am Bochumer Schauspielhaus – Premiere 12/25
Verlorene Jahre
„The Drop“ am Jungen Schauspiel in Düsseldorf – Prolog 11/25
Kampf, Verlust und Liebe
Vorweihnachtliche Stücke für junges Publikum im Ruhrgebiet – Prolog 11/25
Tanz der Randfiguren
„Der Glöckner von Notre-Dame“ in Essen – Tanz an der Ruhr 11/25
„Jede Inszenierung ist eine Positionierung“
Regisseur Kieran Joel über „Antichristie" am Schauspielhaus Dortmund – Premiere 11/25
Das selbsternannte Volk
„Die Nashörner“ am Düsseldorfer Schauspielhaus – Prolog 10/25
Körper und Krieg
„F*cking Future“ auf PACT Zollverein in Essen – Tanz an der Ruhr 10/25