Und da stellen wa uns mal janz doof und frajen, watt is eigentlich Kleinkunst? Um es mal gleich vorweg zu nehmen: Flohzirkus (obwohl echt klein) ist es nicht, das Portal, das immer händeringend nach Spenden sucht, sagt, es sei ein „Genre mit begrenztem Aufwand“. Personell, räumlich und materiell. Das hören die klammen Kommunen natürlich gern, auch in Schwerte. Dort hat sich das Festival allerdings längst Kultstatur erobert. Bereits zum 63. Mal heißt es: Die Schwerter Kleinkunstwochen werden eröffnet. Den Auftakt bestreiten in der Rohrmeisterei die Konzertakrobaten Gogol & Mäx (26.1.). Gestritten wird da weniger, das Publikum staunt über die akrobatischen und musikalischen Kunstfertigkeit der beiden und ihre schier unbegreifliche Vielfalt an Instrumentenbeherrschung.
Musik und Comedy beherrschen den Spielplan zwischen alten Männern wie Formel Eins-Urgestein Ingolf Lück (16.2.), der sich nur noch wünscht, endlich in der Straßenbahn auch mal einen Platz angeboten zu bekommen, und den absoluten Newcomern auf der Szene. Mein Comedy-Highlight in diesem Schwerte-Jahr dürfte Tahnee (29.3.) werden, die in jungen Jahren bereits mit dem Jurypreis des Prix Pantheon 2018 ausgezeichnet wurde. Sie hat alles drauf, Kabarett, Comedy und boshafte Gesangseinlagen. Diese Comedienne nimmt kein Blatt vor den Mund und räumt sämtliche Klischees aus dem Schrank, dafür lieben alle ihren Punk.
Wer die Kleinkunst etwas ruhiger mag, dem empfehlen wir mal eine Oper légère auf der Kulturbühne der Musikschule. Hier werden alle Facetten des „Genres“ bedient. Begrenztes Personal auf begrenztem Platz, Aber: Nur eine Sopran-Stimme (Franziska Dannheim) und ein Flügel (Jeong-Min Kim) präsentieren eine ganze Operette: sie singt alle Partien aus der „Fledermaus“ (2.3.) von Walzerkönig Johann Strauss, und das Publikum macht den Rest. Mal Chor, mal Bühnenbild, mal Komparserie. Prinz Orlowsky lässt die Säbel rasseln. Am Ende der 63. Schwerter Kleinkunstwochen wird Philipp Zymny („How to Human“) mit dem Schwerter Kleinkunstpreis 2018 ausgezeichnet.
63. Schwerter Kleinkunstwochen | 26.1. - 26.5. | Schwerte | www.schwerter-kleinkunstwochen.de
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Spaß auf ganz hohem Niveau
Die 64. Kleinkunstwochen in Schwerte – Bühne 02/20
Alles außer Hochkultur
62. Schwerter Kleinkunstwochen bis zum 4.5. in der Rohrmeisterei u. a. Orten – Bühne 04/18
Ein Lob für positive Gedankenlosigkeit
Die Schwerter Kleinkunstwochen haben begonnen – Prolog 02/18
Alles außer Tiernahrung
Schwerter Kleinkunstwochen 2017 – das Besondere 01/17
Urban Arts und Wüstenkunde
„Magec / the Desert“ auf PACT Zollverein in Essen – Tanz an der Ruhr 07/26
Die Läuterung der Bösen
„Der Sturm“ im Schlosspark Bochum Weitmar – Prolog 07/26
„Wir opfern unsere Welt für Fortschritt“
Regisseur Philipp Preuss über „Circus Oresteia“ im Mülheimer Raffelbergpark – Premiere 07/26
Ein Jahr lang gute Taten reichen nicht
„Die kleine Hexe“ beim Düsseldorfer Sommertheater im Park – Prolog 06/26
Freiheit, Krieg, Einsamkeit
„Ptah VI“ am Essener Aaalto Theater – Tanz an der Ruhr 06/26
Freiheit gegen Tyrannei
„Die Räuber“ am Bochumer Schauspielhaus – Prolog 06/26
„Die Szene ist noch sehr lebendig“
Leiterin Franziska Werner über das Impulse Festival 2026 in NRW – Premiere 06/26
Schrecken aus Eis und Finsternis
Fidena in Bochum: Marionetten aus Eis gleiten auf Virginia Woolfs Wellen – Bühne 05/26
Die Umschulung des Übels
„Adams Äpfel“ am Moerser Schlosstheater – Prolog 05/26
Der Tod am Anfang
„Radio and Juliet“ am Theater Dortmund – Tanz an der Ruhr 05/26
„Ich habe mich ausgetobt in verschiedenen Genres“
Komponist Samuel Penderbayne über „Die verzauberte Stadt“ am Aalto-Theater Essen – Interview 05/26
Abstieg in die Fleischerei
„Faulender Mond“ am Essener Grillo-Theater – Prolog 05/26
„Kunst kann helfen, auf die Welt zu reagieren“
Intendant Olaf Kröck über die Ruhrfestspiele Recklinghausen 2026 – Premiere 05/26
Kein Märchen von übermorgen
„1984 – Dystopie 2.0“ am Düsseldorfer Central 1 – Prolog 04/26
„Figuren wie unter einem Vergrößerungsglas“
Regisseur Jakob Arnold über „Ruf des Lebens“ am Schlosstheater Moers – Premiere 04/26
Zwei Künstler, drei Stücke
„Relations“ am Essener Aalto Ballett – Tanz an der Ruhr 04/26
Die Schwüle der Provinz
„Der Theatermacher“ am Düsseldorfer Schauspielhaus – Prolog 03/26
Suchen, Finden – und Verlieren
Benedict Wells‘ „Vom Ende der Einsamkeit“ am Schauspielhaus Bochum – Bühne 03/26
Kampf, Hoffnung, Überleben
„Burning City“ am Tanzhaus NRW – Tanz an der Ruhr 03/26
„Man muss in den eigenen Abgrund blicken“
Marie Schleef über „The Lottery“ am Essener Grillo Theater – Premiere 03/26
Zerbrechliche Landschaften
Elfriede Jelineks „Winterreise“ am Schauspielhaus Dortmund – Prolog 03/26