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Alternativ und bräunlich

24. April 2019

„Der Alt-Right-Komplex“ im Dortmunder HMKV – Kunstwandel 05/19

Wie immer bei Ausstellungen im Hartware Medienkunstverein (HMKV) in Dortmund liegen die dicksten Brocken ein wenig versteckt unter zahlreichen Oberflächen – ihre künstlerische und politische Brisanz muss erst nach und nach erforscht werden. Das ist bei „Der Alt-Right-Komplex -– Über Rechtspopulismus im Netz“ nicht anders. Schon der erste Gedanke beim Eindringen in das aktuell Komplexe am bräunlichen Wahn: Gut, dass es kein All-Right System gibt. Es geht bei der von Dr. Inke Arns kuratierten, internationalen Gruppenausstellung um die um sich greifenden Rechtspopulismen, die heute insbesondere das Internet und die Sozialen Medien nutzen. Auch da hat eine Entwicklung stattgefunden. Von vereinzelten Foren, die ihre kruden Ideen noch als (Sub-)Kultur verkauften bis hin zu monetär fürstlich ausgestatteten rechten Plattformen wie Steve Bannons Breitbart News. Ja richtig gehört: die graue Eminenz hinter der US-amerikanischen blondierten Fönfrisur. Und er wird gleich nochmal auftauchen, halten Sie sich fest – als Filmemacher.

Der „Alt-Right-Komplex“ zeigt 12 Projekte von 16 Künstler*innen aus 12 Ländern, in denen Comics, Wandbilder, Videos, (Video-) Installationen, Poster zum Mitnehmen, Spieleanleitungen, Netzkunst, Künstlerbücher, ein spekulatives Museum und eine Flaggenmaschine wichtige Rollen spielen. Die Aufzählung scheint nötig zu sein, denn beim Eintritt in die dritte Etage im Dortmunder U sieht der Besucher erst einmal ein Labyrinth aus Texttafeln und Bildschirmen. Ein Geflecht wie die Netze im weltweit Gewebten. Ich stoße als erstes auf die Mixed-Media-Installation „prepared“ (2019) von Vera Drebusch und Florian Egermann (D), wo es um die sogenannten „Prepper“ geht, die zuhause Vorräte anlegen, Waffen horten und ängstlich jede Verschwörungstheorie glauben. Und schon wandere ich fasziniert an Jonas Staals (NL) 10-Kanal-Videoinstallation „Steve Bannon: A Propaganda Retrospective (visual ecology)“ von 2018 entlang und muss ob der martialischen Szenenauswahl, seziert aus den zehn Dokus die der Rechtspopulist einst produzierte, grinsen. Ja, „alternativ-rechte“ Propaganda können auch wilde Stürme und einstürzende Gebäude (nicht Neubauten!) werden. Wieso? Fahren Sie nach Dortmund. Dort finden Sie bei freiem Eintritt auch Satan, der den Schlaf von Christus beobachtet.

Der Alt-Right-Komplex – Über Rechtspopulismus im Netz | bis 22.9. | Dortmunder U | 0231 13 73 21 55

Peter Ortmann

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