Von September bis November richtet das Fritz Bauer Forum die Veranstaltungsreihe „Memoria Viva – Lateinamerika im Aufbruch“ aus. Die gemeinsam mit Amnesty International Bochum sowie in Kooperation mit dem Bochumer Bündnis Erinnerung und Solidarität konzipierte Reihe widmet sich dem Kontinent, der bis heute nachhaltig durch die koloniale Vergangenheit und die Zivil- und Militärdiktaturen seit den 70er Jahren geprägt ist. Dazu ist in keiner Region der Welt die Ungleichheit so groß.
Die insgesamt zwölf Veranstaltungen der Reihe befassen sich auch mit der aktuellen politischen Lage, beispielsweise in Peru, Mexiko oder Kolumbien. Beginn der Reihe ist der 13.9. mit Journalist Günther Wessel, dessen Biografie über den chilenischen Präsidenten Salvador Allende am 15.8. erschien. Im September jährt sich der Militärputsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten zum 50. Mal. Im Anschluss an die Lesung läuft der Film „Allende, mi abuelo Allende“ (span. mit engl. UT). Der Film – Regie führt die Enkelin Allendes – widmet sich der Geschichte und Erinnerung innerhalb der Familie.
Der Film „… und dass du zwei Tage schweigst unter der Folter!“ porträtiert mehrere Menschen – unter anderem auch die deutsche Studentin Elisabeth Käsemann – die während der argentinischen Diktatur im geheimen Haft- und Folterlager El Vesuvio gefangen waren. Die Dokumentation „Silence Radio“ (2019) begleitet die mexikanische Journalistin Carmen Aristegui und ihren Kampf gegen die korrupte Medienlandschaft. Die Lage der Presse- und Meinungsfreiheit Mexikos gilt als besonders prekär. In kaum einem Land werden so viele Journalisten ermordet wie hier.
Die Film- und Buchvorstellungen der Reihe finden in Verbund mit Diskussionen und verschiedenen Workshops statt, beispielsweise zur produktiven Erinnerungskultur in Uruguay oder den Menschenrechten in Kolumbien. Zu Gast sein wird auch der chilenische Menschenrechtsanwalt Carlos Margotta, der sich unter anderem für die Rechte der sogenannten desaparecidos– der während der Diktaturen durch staatliche Repression verschwundenen oder ermordeten Menschen. In Argentinien etablierte sich im Zuge der Aufarbeitung eine Phrase, die auch namensgebend für den Bericht der Untersuchungskommission war – „nunca más“ („nie wieder“).
Memoria viva – Lateinamerika im Aufbruch | div. Termine ab 13.9. | Fritz Bauer Forum, Bochum | 01573 256 23 92
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