Putin nennt mögliche Friedenstruppen in der Ukraine „legitime Angriffsziele“. Wer hätte vor vier Jahren gedacht, dass es einmal so weit kommt? Sie waren nie weit weg, die kriegerischen Auseinandersetzungen. Gerade mal zwei Jahrzehnte seit den Jugoslawienkriegen. Es sind immer die Schlachtfeste um Besitz und Macht für wenige – auch wenn viele in Westeuropa dachten, Krieg sei nur bis ins vergangene Jahrhundert schick gewesen. Ist er heute noch. Und ein altes Mittel der Wahl für neue Kriegsgewinnler, die neue Kriegswirtschaft und die neuen Kriegsanleihen – sorry, heute heißt das ja Sondervermögen. Zahlen tun die Bürger aber doch, was Politikgötter, Wirtschaftskapitäne und die endlose Schar gieriger Kriegswaffen-Aktionäre ausgeheckt haben.
Diese Logik ist nicht neu. 421 vor Christus erzählt der griechische Dichter Aristophanes in seiner Komödie „Der Frieden“ vom griechischen Winzer Trygaios, der auf einem Mistkäfer in den Olymp fliegt, um Zeus nach dem Grund für die ständigen Kriege der Griechen zu fragen. Zeus ist wohl nicht da, aber der Gott des Krieges erklärt ihm, dass er die Göttin des Friedens in einen Schacht geworfen habe, der sich – man glaubt es kaum – im Garten des gebeutelten Winzers befinde. Der will natürlich sofort den Frieden ausbuddeln, doch plötzlich sind sie alle da, damals wie heute: „die Konzern- und Landbesitzer, Generäle, Popen, Panzer, die bekannte Kumpanei“ (aus dem Lied „Für Mikis Theodorakis“ von Franz Josef Degenhardt). Diese zeitlose Geschichte bringt das Schlosstheater Moers als erstes Stück der neuen Saison nach der Ära von Ulrich Greb auf die Bühne. Wie immer ist die einfache Unterscheidung in Gute und Böse jenseits von Friedenszeiten nicht leicht zu treffen: War ein Schmied in der Antike auf der falschen Seite, wenn er scharfe Schwerter produziert hat, oder lag er richtig, wenn er scharfe Sensen verkauft hat? Unter der Regie von Daniel Kunze wird das Ensemble den uralten Text von Aristophanes in der Bearbeitung des französischen Theatermachers Antoine Vitez weiterentwickeln – und dabei sicher auch die Frage beantworten, ob man mit einfachen Trump-Deals das mörderische Schlachten in Europa beenden kann.
Der Frieden | 25. (P), 31.10., 1., 2., 7., 9., 14., 16., 29.11. | Schlosstheater Moers | schlosstheater-moers.de
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