Ein Zitat aus dem Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ von Robert Musil: „Ein ewiges Warten auf etwas, von dem man nichts anderes weiß, als dass man darauf wartet.“ Das ist ein Problem, auch mit dem Älterwerden. Denn Erkenntnis zu erlangen ist ein dornenreicher Weg, gegen den die Aneignung von Wissen fast einfach erscheint. Das Problem schleppt der 16-jährige Schüler Törleß Ende des 19. Jahrhunderts in seinem Militärinternat mit sich herum, heute könnte er seine Fragen an die pseudo-allwissende KI stellen. Ob sich dann Erkenntnis einstellen würde? Wer weiß das schon.
Young ‘n‘ Rotten – das junge Ensemble des Bochumer Off-Theaters Rottstr 5 zeigt seine Version von Musils Debütroman aus dem Jahr 1906. Es sollte Musils wichtigster und bekanntester bleiben. In den dunklen Bögen unter den Schienensträngen der Glückauf-Bahn nach Gelsenkirchen geht es um die Frage, wie Gewalt als Mittel zum Machtgewinn dienen kann. Die Zöglinge im Internat sind auf der Suche nach der eigenen Sexualität, auf der Suche nach sich selbst. Sie testen auch aus, wie sich sadistische Triebhaftigkeit anfühlt und wie man damit vorteilhaft umgehen kann. Musil ahnte die spätere Entwicklung zum Faschismus in seinem Roman bereits voraus. Young ‘n‘ Rotten zeigen das Stück in einer Fassung ohne die „Verwirrung“ im Titel von Akbar Paktin, der auch Regie führt.
Alles beginnt mit einem Diebstahl unter den Schülern. Basini, ein kleiner Gernegroß, lebt über sein Budget, hat Schulden und klaut aus Not. Reiting, Beineberg und Törleß ertappen ihn dabei, doch anstatt ihn der Anstaltsleitung zu melden beschließen sie, ihn zu „Versuchszwecken“ zu missbrauchen. Der eine übt schon mal für seine militärische Laufbahn, Törleß interessiert sich für Machtspielchen, der dritte ist einfach Sadist. Anfangs scheint Törleß eher amüsiert über die Art und Weise des Sklaventums, doch mit der Zeit quälen ihn Zweifel an der Welt und an den imaginären Zahlen. Dann nehmen die teils sexuellen Erniedrigungen gegenüber Basini zu, irgendwann ist die ganze Klasse involviert – und Basini in Lebensgefahr. Törleß trifft eine Entscheidung. Seien wir gespannt, wie es an der Bochumer Rottstraße ausgeht.
Törleß | 26.9. (P), 10., 26.10. je 19.30 Uhr | Rottstr 5 Theater, Bochum | 0163 761 50 71
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