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Foto: Birgit Hupfeld

Wetterleuchten der Veränderung

11. November 2021

Alexander Ritter inszeniert „Wir, Kinder der Sonne“

Elitenschelte, Lügenpresse, korrupte Virologen. Noch ein paar Wochen, dann werden wir Geimpfte die Welt als Neo-Zombies übernehmen, die paar Auf-Rechten können querdenken wie sie wollen, wir werden sie alle erwischen. Kein schönes Szenario? Oder sind es doch nur die Schlauen, die wieder einmal die Dummen ausbeuten? Wegen Klimawandel und so – oder wegen all den Asylsuchenden, die unsere Grenzen überschwemmen sollen? Bleibt es wirklich so: frei nach Tschechow, dass der Satte dem Hungrigen immerfort Lehren erteilen will? Ich bin Defätist.

Am Bochumer Rottstr 5 Theater nimmt sich Regisseur Alexander Ritter der zeitgenössischen Thematik an, adaptiert dazu Maxim Gorkis Stück „Kinder der Sonne“, dampft die eigentlich 15 vorkommenden Personen auf drei Protagonistinnen (Monika Bujinski, Yvonne Forster und Hella Birgit Mascus) ein und nennt das Ganze eine eigenwillige Bearbeitung. „Das Stück ist auf drei archetypische Figuren reduziert, die darüber verhandeln, wie der Mensch und die Gesellschaft sein sollten, und dabei den Bezug zu Teilen der Bevölkerung verlieren“, sagt er. Ritter, der gemeinsam mit Oliver Paolo Thomas die kleine Bühne unter den Bahngleisen leitet, zeichnet auch für die Ausstattung verantwortlich. Da wird neben viel Kleinteiligem und einer zeitlich schwer zu fassenden Szenerie aber wohl der für Gorki eigentlich unvermeidliche silberne Samowar zu sehen sein, der in der Vergangenheit bei Inszenierungen auch schon häufiger in der Requisite blieb.

Auch bleibt als Hintergrund eine Cholera-Epidemie, die viele nicht wahrhaben wollen, Gorki selbst thematisierte im Stück den Choleraaufstand anno 1892 an der unteren Wolga und die sich abzeichnende Zeitenwende. Das anhaltende Wetterleuchten möglicher, erheblicher Veränderungen der westlichen Gesellschaften bleibt auch heute überwiegend ungehört. Gorkis Text wird wohl deshalb von der Regie im Rottstr 5 Theater unter anderen mit Fremdtexten von Carolin Emcke und Kae Tempest verwoben, so sollen die Parallelen zur Situation in der aktuellen Corona-Pandemie und die wichtige Suche nach Antworten auf den aufgestauten Hass auf alles Mögliche verhandelt werden.

Wir, Kinder der Sonne | Sa 13.11. 19.30  Uhr | Rottstr 5 Theater, Bochum | 0163 761 50 71

Peter Ortmann

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