Im Krieg in der Ukraine können auch Glasfaserdrohnen, Überwasserdrohnen vom Typ Barracuda und andere in Talkrunden als „Gamechanger“ gelobte Hightech-Waffen nicht über eines hinwegtäuschen: Mit dem Angriff aus Putins Russland haben beide Kriegsparteien in erster Linie Menschen an die Front geschickt. Und es sind immer noch Menschen, die im Krieg leiden und sterben, seien es Soldat:innen oder die Zivilbevölkerung. Noch lange gibt es nicht den „sauberen“ Krieg, bei dem sich ausschließlich Maschinen gegenseitig bekämpfen – so bleibt im Zentrum des Krieges weiterhin der verletzliche menschliche Körper.
Mit dem Körper als Medium des Tanzes in Kriegszeiten befasst sich der Choreograf und Tänzer Lars Ksienzyk in seinem Dokumentarfilm „Dancing Through Adversity“, der am 13. Dezember im Düsseldorfer Tanzhaus NRW zu sehen ist. Der Film porträtiert drei Tanzbegeisterte aus der Kiewer Urban Dance-Szene, die sich dem Waacking, Popping oder Krump verschrieben haben – alles Freestyle-Tanzstile, die ihre Wurzeln vor allem in den afroamerikanischen und queeren Communitys haben und damit für eine „westliche“ Orientierung stehen.
Während Allstar aus der Ukrainian Dance Community dem Popping anhängt, tanzt Olha Svidinha Krump. Die dritte Protagonistin, Mariia „Masha“ Hrushova, ist zur Filmvorführung im Tanzhaus NRW zu Gast und zeigt eine Kostprobe aus ihrem Waacking- und Popping-Repertoire. Zudem spricht sie gemeinsam mit weiteren Beteiligten über die Hintergründe des Films. Darin nutzen alle drei Porträtierten den Tanz als Ventil, um der Ohnmacht in Kriegszeiten zu entfliehen, durch körperliche Ausdrucksmöglichkeiten und ein Gemeinschaftsgefühl. Neben der körperlich befreienden Wirkung eröffnet sich durch das Tanzen ein „Safe Space“ inmitten des Ausnahmezustands. Gleichzeitig kann die Ekstase auf der Tanzfläche ein jähes Ende finden – denn vor allem die männlichen Tänzer, Musiker oder DJs können jederzeit zum Kriegsdienst eingezogen werden.
Dancing Through Adversity | Sa 13.12. 17 Uhr | Tanzhaus NRW, Düsseldorf | tanzhaus-nrw.de
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