Fünf Minuten dauerte der Wettstreit, den sich zwei Bieter im November letzten Jahres bei einer Kunstversteigerung in New York lieferten. Der Gegenstand ihres Begehrens war Frida Kahlos Selbstporträt „El sueño (La cama)“. Es zeigt die mexikanische Künstlerin in ihremBett, über dem ein in Dynamit eingewickeltes Skelett zu schweben scheint. Das Gemälde aus dem Jahr 1940 wechselte den Besitzer für eine Rekordsumme von fast 55 Millionen Dollar. Was den Hype um Kahlo verdeutlicht, deren Name heute die Massen in immersive Ausstellungen lockt – oder zum Kauf kitschiger Tassen und Shirts bewegt.
Die belgisch-kolumbianische Choreografin Annabelle Lopez Ochoa widmete ihr mit „Frida“ ein Ballett, das nun am Theater Dortmund seine Deutschlandpremiere feiert. Das 2020 im Het Nationale Ballet in Amsterdam uraufgeführte Stück würdigt das Leben und Werk der surrealistischen Künstlerin, die lange Zeit im Schatten ihres Ehemanns Diego Rivera stand. Ochoa, seit dieser Spielzeit Residenzkünstlerin am Dortmunder Ballett, befasst sich in ihrer Choreografie mit den Motiven von Kahlos Kunst: Schmerz und Selbstbestimmung, Sterblichkeit und Schöpfertum.
Die Biografie der feministischen Ikone gibt Ochoa nicht linear wieder. Stattdessen nutzt sie das Leben und die Gemälde Kahlos als Grundlage für einzelne Szenen. Ähnlich geht Dieuweke van Reij vor, der Elemente aus Kahlos Lebenswelt in sein Bühnen- und Kostümbild integriert: von mexikanischen Trachten bis hin zu unzähligen Skeletten, mit denen in Mexiko am „Día de los Muertos“ (übers.: Tag der Toten) den Verstorbenen gedacht wird. Zwei schwarze Kästen auf der Bühne stehen für Kahlos lange Phasen im Bett, an das sie aufgrund einer schweren Verletzung gefesselt war und das gezwungenermaßen zu ihrem Atelier wurde. Die Musik von Peter Salem greift zudem die mittelamerikanische Folklore einer Freundin von Kahlo auf, der mexikanischen Sängerin Chavela Vargas.
Frida | 13. (P), 19., 28.2. | Theater Dortmund | 0231 502 72 22
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