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Foto: Thomas Rabsch

Weisheit, frei erfunden

16. Februar 2026

„Tyll“ am Düsseldorfer Schauspielhaus – Prolog 02/26

Käuze, Schelme und Narren. Lustig, boshaft, immer auch anarchisch. Gemeint sind natürlich keine Comedians oder Kinderclowns. Der letzte mir bekannte boshafte Schelm war sicher Arno Funke. Der kreative Kaufhauserpresser, bekannt als Dagobert, hielt vor über 30 Jahren die Polizei eine Zeit lang mit skurrilen Geldübergaben zum Narren. Das hat selbstverständlich nichts mit der deutschen Volkserzählung über Till Eulenspiegel gemein. Seit 1510 irrlichtert die durch die internationale Literatur, zuletzt hat sie Daniel Kehlmann für seinen Roman „Tyll“ (2017) adaptiert. Darin steigt sein Tyll Ulenspiegel während des Dreißigjährigen Kriegs vom Bäckersohn zum fürstlichen Hofnarren auf.

Sieben Studierende am Düsseldorfer Schauspielstudio der Leipziger Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy spielen nun die Geschichte des Volkshelden, der gemeinsam mit der Bäckerstochter Nele kreuz und quer durch Europa zieht und sich immer wieder behaupten muss. Mit ihm reist eine fahrende Gauklertruppe durch eine Zeit, in der so genannte Weisen ihre Weisheit noch frei erfinden konnten und wechselnde europäische Allianzen den Krieg als andauernden Lebensinn- und unterhalt feiern.

In seinem Roman mischt Autor Kehlmann historisch belegte Protagonisten der damaligen Zeit mit der über 500 Jahre alten Schwanksammlung „Ein kurtzweilig lesen von Dil Ulenspiegel, geboren vß dem land zu Brunßwick, wie er sein leben volbracht hat“, deren Urheber unbekannt ist. So erschafft Kehlmann seinen eigenen Tyll mit einer eigenen Geschichte. In der Düsseldorfer Theaterfassung in der Regie von André Kaczmarczyk dürfte natürlich auch der Eulenspiegel-Mythos mitschwingen. Nele und Tyll stolpern von einem Abenteuer ins nächste – wobei unklar bleibt, ob die Ereignisse um die beiden herum auf Tatsachen beruhen oder fiktiv sind. Das Stück aus dunklen Zeiten endet jedenfalls mit den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden. Seien wir froh, dass es bei uns heute viel heller ist.

Tyll | 18., 19. (Voraufführungen), 22. (P), 27.2., 7.3. | Düsseldorfer Schauspielhaus, Kleines Haus | www.dhaus.de

Peter Ortmann

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