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Foto: Leszek Januszewski

Zurück in den Sumpf!

28. Januar 2026

Jean-Philippe Rameaus „Platée“ am Theater Hagen – Bühne 02/26

Für Liebhaber des musikalischen Barock bieten sich derzeit attraktive Opern-Ziele: Vor wenigen Tagen erfuhr in Wuppertal Antonio Vivaldis „La Griselda“ eine packende Neuinszenierung. Die eindrucksvolle Rarität entstand 1735, sechs Jahre vor Vivaldis Tod. Ein Jahr später brachte Georg Friedrich Händel seine „Atalanta“ auf die Bühne von Covent Garden in London, die bei den Internationalen Händel-Festspielen Karlsruhe am 28. Februar konzertante Premiere hat. Vorher, am 20. Februar, dirigiert René Jacobs dort eine szenische Neuproduktion von „Tamerlano“. Frankfurt widmet sich – neben seinem seit Jahren gepflegten Händel-Schwerpunkt – ab dem 25. Januar der 1709 in Düsseldorf uraufgeführten Oper „Amor vien dal destino“ über die „schicksalhafte Liebe“ des umtriebigen, auch am Rhein eine Zeit lang tätigen Agostino Steffani.

Aber in Hagen steht jetzt ein herausragendes Projekt auf dem Spielplan: „Platée“ von Jean-Philippe Rameau verbindet Oper und Ballett zu einer organischen, durch die Handlung motivierten und getragenen Einheit. Mit dieser brillanten Gesellschaftssatire verdiente sich der Pariser Komponist 1745 den Titel des Hofkomponisten – und das im Alter von 61 Jahren. Rameau war als einer der größten Harmoniker seiner Zeit berühmt. Er pflegte mit seinen „Opéra-Ballets“ eine Gattung, die bis weit ins 19. Jahrhundert hinein beliebt bleiben sollte.
In „Platée“ geht es um einen üblen Scherz, den sich die Theatermusen leisten, um Götter und Menschen gleichermaßen lächerlich zu machen und nebenbei auch die Eifersucht von Jupiters Ehefrau Juno auf ihren liederlichen Göttergatten zu besänftigen. Dazu stacheln sie den Ehrgeiz der liebessüchtigen und von sich selbst trotz ihrer Hässlichkeit total überzeugten Platée an: Sie machen der Sumpfnymphe weis, Jupiter werde sie heiraten. Geschickt manipulieren sie die Personen so, dass Juno in die Hochzeit hineinplatzt. Empört reißt sie den Schleier der Braut ab und lacht sich kaputt, als sie das hässliche Nymphenwesen erblickt. Junos Eifersucht ist geheilt, der Götterhof kehrt in den Olymp zurück und für die brüskierte Platée heißt es: Zurück in den Sumpf.

Regisseurin Anja Kühnhold inszeniert das Stück nicht aus der Perspektive der Götterschwanks. Sie interessiert sich für die hierarchischen Unterschiede zwischen Götter- und Menschenwelt, die nicht verrückbar scheinen. In Platée sieht sie nicht (nur) das bemitleidenswerte Opfer eines kaltherzigen Spotts, sondern „eine schöne und reichhaltige Seele“, die sich nicht in der sozialen Hierarchie vergreift und dadurch lächerlich wird, sondern die es noch versteht, zu schwärmen und zu träumen. Die angemessen opulente Ausstattung schafft Julia Katharina Berndt. Das Philharmonische Orchester Hagen leitet der Barock-Experte Nicholas Kok, der unter anaderem an der English National Opera und in Stuttgart Monteverdi und Purcell dirigiert und mit der Opera North Glucks „Orpheus und Eurydike“, aber auch zeitgenössisches Musiktheater erarbeitet hat. Die tänzerischen Teile des schrill-bunten Divertissements choreografiert Giovanni De Domenico.

Platée | 1., 22.2, 19.3., 2., 17.4., 10.5. | Theater Hagen | 02331 207 3218.

Werner Häussner

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