Mit Aretha Franklins Gospelhymne „Amazing Grace“ erklingt ausgerechnet eine Ikone des Souls und der afroamerikanischen Bürger:innenrechtsbewegung im kürzlich erschienenen Film „Melania“ über die Ehefrau von US-Präsident Donald Trump. So offenbart die von Melania Trump selbstproduzierte und vom Oligarchen Jeff Bezos gesponserte Hofkunst ihren ganzen Zynismus: Die Unterstützer einer Politik der Ausgrenzung eignen sich Stimmen und Klänge von Ausgegrenzten an, um damit ihre Machtinszenierungen zu untermalen.
Mehr Zusammenhalt will dagegen die Performance „Burning City“ stiften, durch Musik vonMarginalisierten im Allgemeinen und der afroamerikanischen Bewegung im Besonderen. Das Stück für ein junges Publikum ab 15 Jahren wird im Jungen Tanzhaus Düsseldorf als Gastspiel gezeigt, koproduziert vom multidisziplinären Kollektiv Socha und dem Hetpaleis, einem Zentrum für darstellende Künste für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Antwerpen, Belgien. Die künstlerische Leitung übernimmt der Musiker und Theatermacher Junior Mthombeni.
Die insgesamt 13 Akteure tanzen auf der Bühne zu einst subkulturellen Sounds aus Hip-Hop und Funk, Soul und Rock. Eine große Rolle spielen dabei improvisierte Sprech- und Raptexte: Neben den choreografierten Einlagen aus urbanen Tanzstilen soll es um instinktive Zwischentöne gehen, die von Kampf, Hoffnung oder dem bloßen Überleben erzählen.
Der lange Laufsteg als Bühne für die Tänzer:innen verweist auf die Ballroom Culture, die ab den 1960er Jahren im New Yorker Stadtteil Harlem in der afroamerikanischen und lateinamerikanischen LGBT+-Szene entstand. Trotz wettbewerbsähnlichen Tanzdarbietungen wie dem Voguing gilt die Ballroom Culture als Inbegriff von Safe Spaces und Gemeinschaftlichkeit. An diesen kollektiven Geist will auch die Performance erinnern, die zugleich Bezug nimmt auf den gegenwärtigen Aktivismusund jüngste Aufstände. Alsließen sie sich nicht trennen: Protest und Feiern, Widerstand und Wiederaneignung.
Burning City | Fr 12.3. 11 + 19 Uhr | Tanzhaus NRW, Düsseldorf | 0211 17 27 00
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Zäher Überlebenswille
Silke Z über mögliche Fördermittel für Kölns Tanzszene – Tanz in NRW 06/26
Der Tod am Anfang
„Radio and Juliet“ am Theater Dortmund – Tanz an der Ruhr 05/26
Erfolge in dürren Zeiten
7. Circus Dance Festival in Köln – Tanz in NRW 05/26
Intensiver Stoff
9. Internationales Bonner Tanzsolofestival – Tanz in NRW 04/26
Zwei Künstler, drei Stücke
„Relations“ am Essener Aalto Ballett – Tanz an der Ruhr 04/26
Helden und große Gefühle
Die fulminanten Choreographien von Brig Huezo – Tanz in NRW 03/26
Bett trifft Ballett
„Frida“ am Dortmunder Ballett – Tanz an der Ruhr 02/26
Keine Entspannung
Kulturmanagerin Mechtild Tellman über die Zukunft des Tanzes – Tanz in NRW 02/26
Spiel mit der Psyche
Hofesh Shechter gastierte mit seiner Tanzkompanie in Köln – Tanz in NRW 01/26
Manischer Maskenball
„Delirious Night“ auf PACT Zollverein in Essen – Tanz an der Ruhr 01/26
Tanzbein und Kriegsbeil
Filmdoku in Düsseldorf: Urban Dance in Kiew – Tanz an der Ruhr 12/25
Tanz schärft die Sinne
IP Tanz feiert 30. Geburtstag – Tanz in NRW 12/25
Wachsende Szene
Das 5. Festival Zeit für Zirkus startet in NRW – Tanz in NRW 11/25
Tanz der Randfiguren
„Der Glöckner von Notre-Dame“ in Essen – Tanz an der Ruhr 11/25
Tanz gegen Kolonialismus
„La Pola“ im Rautenstrauch-Joest-Museum – Tanz in NRW 10/25
Freiheit gegen Tyrannei
„Die Räuber“ am Bochumer Schauspielhaus – Prolog 06/26
„Die Szene ist noch sehr lebendig“
Leiterin Franziska Werner über das Impulse Festival 2026 in NRW – Premiere 06/26
Schrecken aus Eis und Finsternis
Fidena in Bochum: Marionetten aus Eis gleiten auf Virginia Woolfs Wellen – Bühne 05/26
Die Umschulung des Übels
„Adams Äpfel“ am Moerser Schlosstheater – Prolog 05/26
„Ich habe mich ausgetobt in verschiedenen Genres“
Komponist Samuel Penderbayne über „Die verzauberte Stadt“ am Aalto-Theater Essen – Interview 05/26
Abstieg in die Fleischerei
„Faulender Mond“ am Essener Grillo-Theater – Prolog 05/26
„Kunst kann helfen, auf die Welt zu reagieren“
Intendant Olaf Kröck über die Ruhrfestspiele Recklinghausen 2026 – Premiere 05/26
Kein Märchen von übermorgen
„1984 – Dystopie 2.0“ am Düsseldorfer Central 1 – Prolog 04/26
„Figuren wie unter einem Vergrößerungsglas“
Regisseur Jakob Arnold über „Ruf des Lebens“ am Schlosstheater Moers – Premiere 04/26