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Keine Entspannung

29. Januar 2026

Kulturmanagerin Mechtild Tellman über die Zukunft des Tanzes – Tanz in NRW 02/26

NRW ist seit Jahrzehnten das Bundesland mit der künstlerisch interessantesten freien Tanzszene. Hier ging ästhetisch die Post ab – und das in einer Zeit, in der die Tanzkunst immer größeren Zulauf aus der jungen Generationerfährt. Der Tanz genießt heute auch wegen seiner Beliebtheit in den digitalen Medieneinen ganz anderen Stellenwert in der öffentlichen Wahrnehmung als noch vor zwanzig Jahren. Im letzten Jahr bot die Tanzförderung jedoch ein verworrenes Bild. Es ging mal vor, dann wieder zurück. Streichungen wurden angekündigt und wieder zurückgenommen, dann wurde dennoch gekürzt. Wie wird die Zukunft der freien Gruppen aussehen?

Kaum jemand kennt die Szene so lange und so eingehend wie die in Köln lebende Kulturmanagerin Mechtild Tellmann. Sie sagt: „Es wird durch die angekündigten Kürzungen der öffentlichen Hand ein schwieriges Jahr werden, und das Jahr 2027 könnte noch schwieriger werden“. Die Kultur gehört zu den sogenannten „freiwilligen Leistungen“, bei denen lässt sich leichter kürzen als bei staatlichen Orchestern oder Bühnen. Wenn die eingesparten Summen angesichts der ohnehin kleinen Etats auch nur gering ausfallen dürften.

Mechtild Tellmann fragt sich: „Was wird aus dem Nachwuchs? Soll der erstmal zehn Jahre warten, bis für ihn die Mittel vorhanden sind?“ Bis dahin kann man schlecht das zeigen, was schon alle kennen.Tatsächlich interessieren sich junge Tanzschaffende für andere Themen, die auch ein anderes Publikum anziehen.Mechtild Tellmann sorgt sich aber nicht alleine um den Nachwuchs. Speziell in Köln hat auch dieSituation der Spielstätten keine Entspannung erfahren. Zwar lobt sie das stete Engagement des Kulturamts der Stadt, aber im Depot des Kölner Schauspiels lauert das nächste Problem. Mit dem Umzug an den Offenbachplatz werden in Mülheim Kapazitäten frei. Der dort geplante Musicalbetrieb wirdaber aus finanziellen Gründen verständlicherweise viel Spielzeit benötigen. Für die freien Gruppen dürfte es eng werden. Die Tanzfaktur in Poll – selbst in stets prekären Verhältnissen – wird den Bedarf nicht stemmen können, zumal sie mit ihren Aufgaben für heimatlose Theater wie die Studiobühne und das Theater der Keller jetzt schon ausgelastet ist. Mechtild Tellmann sieht schwarz, „wenn sich Politik und Verwaltung im Land nicht ihrer Verantwortung gegenüber den Spielstätten und den Künstlerinnen der freien Tanzszene bewusst werden.“

Thomas Linden

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