Selten ist es der Fall, dass sich Bühnenstücke um Erkenntnisse aus der Wüstenforschung drehen. Der Choreograf und Tänzer Radouan Mriziga nutzt in „Magec / the Desert“ Trockenlandmassen von der Sahara bis zu den zentralasiatischen Steppen, um das Verhältnis zwischen Mensch und Natur auszuloten. Die Performance ist Teil einer Trilogie, zusammen mit „Atlas / the Mountain“ und „Awessu / the Sea“. Gezeigt wird „Magec / the Desert“ beim Sommerfestival von PACT Zollverein, „Shifting Grounds – in common“.
Dass Mriziga die Rhythmen, Ökosysteme und Wissensarchive der Wüste aufgreift, passt zu seinem bisherigen Werk. Der Künstler wurde1985 in Marokko geboren, studierte Tanz und Choreografie in Marrakesch und Tunesien und bei der Starchoreografin Anne Teresa de Keersmaeker in Brüssel. In seinen Produktionen befasst er sich regelmäßig mit den Traditionen und dem Wissen der indigenen Bevölkerung Nordafrikas.
Unter anderem ging er der Mythologie der Imazighen nach, die im westlichen Sprachraum abwertend als „Berber“ (also Barbaren) zusammengefasst wurden. In „Akal“ (auf Deutsch „Erde“) behandelte er die altägyptische Göttin Neith (zu Deutsch: „Schreckliche“) als Kriegs-, Schöpfer- oder Muttergöttin und zugleich mythische Frauenfigur. Mit seinem ersten Solostück „55“ und dem späteren Gruppenstück „3600“ schuf der Sohn eines Maurers jeweils eine Hommage an die arabische Geometrie und Architektur.
Neben den Traditionen und Topografien von nordafrikanischen Ländern wie Libyen oder Ägypten gehörte zu Mrizigas bisherigen Produktionen aus Text, Tanz, Gesang nicht zuletzt der Hip-Hop. Das ist auch in „Magec / the Desert“ der Fall: Mriziga nähert sich hier der Fauna und Tierwelt der Wüste mit Urban Arts-Elementen aus Rap und Breakdance. So dürfte auch in dieser Produktion eine Reibungsfläche aus Überlieferung und Aufbruch, Folklore und Urbanem entstehen.
Magec / the Desert | Sa 4.7., 20 Uhr | PACT Zollverein, Essen | 0201 289 47 00
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