Das US-Außenministerium veranlasste es, dass Louis Armstrong am 28. Oktober 1960 ein Konzert in der Demokratischen Republik Kongo spielte. Genauso wie andere Jazz-Größen seiner Zeit, darunter Nina Simone, gehörte Armstrongs Auftritt zu einer geopolitischen Agenda Washingtons. Vor dem Hintergrund der Unabhängigkeitserklärung von Patrice Lumumba, des ersten Ministerpräsidenten Kongos, der sein Land aus der belgischen Kolonialherrschaft entreißen wollte, intervenierte der CIA gegen den dekolonialen Kampf.
Johan Grimonprez‘ Dokumentarfilm „Soundtrack to a Coup d’Etat“ zeigt, wie inmitten dieser Kongokrise auch der Jazz als außenpolitische Waffe des Westens eingesetzt wurde. Diese Darstellung inspirierte zumindest lose die Performance „Back to Kidal“, welche Serge Aimé Coulibaly und seine 2002 gegründete Kompagnie, das Faso Danse Théâtre, bei der diesjährigen Ruhrtriennale aufführen. Die Stücke des in Burkina Faso geborenen Choreografen und Tänzers drehen sich um die afrikanische Kunst und Kultur. Und das gilt auch für seine jüngste, deutsche Erstaufführung, die den Blues als Archiv des antikolonialen Widerstands auslotet: „Back to Kidal“ knüpft damit antithetisch an jene imperialistische Instrumentalisierung der Musik durch die US-Macht an.
Eine zentrale Rolle kommt dabei dem Blues zu, der in Westafrika verwurzelt ist, und erst im Zuge der Sklaverei nach Amerika gelangte. Der Sänger Patrick Kabré und der Komponist Yvan Talbot (Doogoo D) steuern für die Choreografie eine Musik bei, die sich auf die Klänge, Rhythmen und Motive des Sahel-Blues zurückbesinnt, ein Genre, das sich aus Traditionen der Tuareg und anderen Bevölkerungsgruppen der Sahara speist. Hinzukommen die Liedtexte des 1959 im Tschad geborenen Dichters und Theatermachers Koulsy Lamko, rezitiert von der burkinischen Schauspielerin Odile Sankara. So entspinnt sich ein choreografisches Geflecht aus Tanz, Musik und Stimme, welches die Geschichte Afrikas im Spiegel der kollektiven Ausdrucksmöglichkeiten des Blues befragt, als Erzählung von Schmerz und Unterdrückung, aber auch Würde und Widerstand.
Back to Kidal | 5., 6.9., jeweils um 20 Uhr | Gießhalle, Landschaftspark Duisburg-Nord
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Die Erotik des Tanzes
Rafaële Giovanola erhält den Deutschen Tanzpreis – Tanz in NRW 08/26
Urban Arts und Wüstenkunde
„Magec / the Desert“ auf PACT Zollverein in Essen – Tanz an der Ruhr 07/26
Giftige Hirngespinste
„The blind Owl / Die blinde Eule“ am Theater der Keller – Tanz in NRW 07/26
Freiheit, Krieg, Einsamkeit
„Ptah VI“ am Essener Aaalto Theater – Tanz an der Ruhr 06/26
Zäher Überlebenswille
Silke Z über mögliche Fördermittel für Kölns Tanzszene – Tanz in NRW 06/26
Der Tod am Anfang
„Radio and Juliet“ am Theater Dortmund – Tanz an der Ruhr 05/26
Erfolge in dürren Zeiten
7. Circus Dance Festival in Köln – Tanz in NRW 05/26
Intensiver Stoff
9. Internationales Bonner Tanzsolofestival – Tanz in NRW 04/26
Zwei Künstler, drei Stücke
„Relations“ am Essener Aalto Ballett – Tanz an der Ruhr 04/26
Kampf, Hoffnung, Überleben
„Burning City“ am Tanzhaus NRW – Tanz an der Ruhr 03/26
Helden und große Gefühle
Die fulminanten Choreographien von Brig Huezo – Tanz in NRW 03/26
Bett trifft Ballett
„Frida“ am Dortmunder Ballett – Tanz an der Ruhr 02/26
Keine Entspannung
Kulturmanagerin Mechtild Tellman über die Zukunft des Tanzes – Tanz in NRW 02/26
Spiel mit der Psyche
Hofesh Shechter gastierte mit seiner Tanzkompanie in Köln – Tanz in NRW 01/26
Manischer Maskenball
„Delirious Night“ auf PACT Zollverein in Essen – Tanz an der Ruhr 01/26
Dauerbrenner unter freiem Himmel
Das NN Theater Freiluftfestival 2026
Ein Straßenfeger im Osten des Reviers
33. Festival Welttheater der Straße in Schwerte – Prolog 08/26
„Wir gehen den Weg zusammen“
Aurel Dawidiuk wird neuer Intendant und GMD der Bochumer Symphoniker – Interview 07/26
Die Läuterung der Bösen
„Der Sturm“ im Schlosspark Bochum Weitmar – Prolog 07/26
„Wir opfern unsere Welt für Fortschritt“
Regisseur Philipp Preuss über „Circus Oresteia“ im Mülheimer Raffelbergpark – Premiere 07/26
Ein Jahr lang gute Taten reichen nicht
„Die kleine Hexe“ beim Düsseldorfer Sommertheater im Park – Prolog 06/26
Freiheit gegen Tyrannei
„Die Räuber“ am Bochumer Schauspielhaus – Prolog 06/26
„Die Szene ist noch sehr lebendig“
Leiterin Franziska Werner über das Impulse Festival 2026 in NRW – Premiere 06/26