Wenn das tiefe Gefühl von Leere und Niedergeschlagenheit in Verzweiflung endet. „Now, no one‘s knocked upon my door / For a thousand years or more“ (übers.: Jetzt klopft niemand mehr an meine Tür / Seit tausend Jahren oder länger), sangen The Police 1979 in ihrem Song „So lonely“, der wohl nach einer verlorenen Liebe entstand. Gut, dieses Gefühl geht meist von selbst vorüber. Anders verhält es sich mit der um sich greifenden Einsamkeit im Alter aufgrund zunehmender Vereinzelung in der Gesellschaft und der sinkenden Geburtenrate. Leo Meier und Emil Borgeest haben sich dem Thema angenommen und für das kleine Moerser Schlosstheater ein neues Stück geschrieben. Gemeinsam mit dem Ensemble stellen sie in „Wo sind denn alle?“ Fragen zur Einsamkeit. Da kann es nicht nur darum gehen zu verstehen, wie sie entsteht. Wichtiger ist es, sie frühzeitig wirksam zu bekämpfen. Denn wenn niemand mehr für den anderen da ist, kann auch niemand mehr helfen.
In der Geschichte geht es um vier Nachbar:innen, die in der Vergangenheit wohl tiefe Einschnitte erlebt haben. Vorbei die gemeinsame Zeit, vorbei Nähe, Fröhlichkeit und Gemeinschaftsgefühl. Und sie wehren sich: „Stellen Sie sich mal vor, ich würde nur allein an meinem Küchentisch hocken“, sagt eine. „Den ganzen Tag! Nein, danke!“ Einst haben sie alle gemeinsam Lieder gesungen, jetzt hat die Vereinzelung zugeschlagen. Auf der Bühne steht neben dem Schauspielensemble auch Olaf Meier. Der Vater eines der Autoren hat fast 30 Jahre lang die Telefonseelsorge der NachbarstädteDuisburg, Mühlheim und Oberhausen geleitet und kennt sich deshalb mit den Abgründen der kapitalistischen Gesellschaft aus. Und mit den Gründen, warum einige in der verdammten Einsamkeit gelandet sind, ob selbstverschuldet oder nicht. Seine Sicht dürfte sehr von Interesse sein – denn die langfristigen Folgen der Einsamkeit könnten alle betreffen. Unfreiwilliges Alleinsein kann das Risiko für Demenz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ein geschwächtes Immunsystem erhöhen. Hoffen wir, dass es Leere und Isolation auf der Bühne nicht geben wird.
Wo sind denn alle? | 26. (P), 28.2., 1., 6., 7., 11., 27., 29.3. | Schlosstheater Moers | 02841 883 41 10
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