In gefährlicher Tiefe im Meer lauern sie. Unbekannte Wesen. Warten auf den unvorsichtigen Taucher. Dann schlagen sie zu. Was Mystery-Thriller verschleiern, haben Tiefsee-Expeditionen enthüllt. Das Böse ist jetzt bekannt: Der Schwamm Death Ball fängt seine Beute mit üblen Haken, die rosa Seegurke durchstreift unbemerkt den Atlantik und der Bucklige Scheibenbauch verstrahlt seine tiefschwarze Umgebung. Dummerweise sind alle nur ein paar Zentimeter groß, das eigentliche Böse in der Tiefsee bleibt die Spezies Mensch. Denn im Lebensraum der skurrilen Lebewesen gibt es Rohstoffe, mit deren Verkauf sich an der Oberfläche schicke Luxusvillen mit Pool und Privatstrand am Meer finanzieren lassen. Seegurken spielen da eine untergeordnete Rolle – und ob die internationale Meeresbodenbehörde ISA mit Sitz in Jamaika das gemeinsame „Erbe der Menschheit“ tatsächlich schützen kann, erscheint angesichts der weltweiten Autokratie-Welle mehr als fraglich.
Was wäre aber, wenn wir uns dem Meeresboden in mehreren Kilometern Tiefe nicht als Ressource, sondern als Lebensraum nähern? Nicht mit einem druckfesten Unterwasserfahrzeug, sondern mit Performance? Die in Bochum lebende Performerin Marlene Helling zeigt Ende Januar im Mülheimer Ringlokschuppen mit ihrem Team „Deep Sea Baby“ – ein Stück zwischen Realität und Science-Fiction, Körper, Sound und Video. Es geht anhand des Manganknollen-Tiefseebergbaus dem schonungslosen Umgang des Menschen mit dem Lebensraum anderer Lebewesen nach.
Seit 2020 entwickelt Marlene Helling eigene Tanz- und Videoperformances über Ökologie, Feminismus und soziale Fragen, die sich zwangsläufig aus dem jeweiligen Thema ergeben. Für „Deep Sea Baby“ hat sich ihr Team speziell mit den Auswüchsen des modernen Tiefseebergbaus beschäftigt und dazu Interviews mit involvierten Wissenschaftler:innen aus Ökologie und Wirtschaft geführt. Auch das renommierte Bochumer Bergbaumuseum fördert und unterstützt die Arbeit der Performerin. Der Bucklige Scheibenbauch wird es allen danken.
Deep Sea Baby | 30., 31.1. je 20 Uhr | Ringlokschuppen Ruhr, Mülheim a.d. Ruhr | www.ringlokschuppen.ruhr
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