Was bleibt an einem Theater, wenn die künstlerische Leitung es verlässt? Blitz und Donner, strömender Regen? Und was geschieht mit der Kunst in einem menschenleeren Gebäude? Verschwindet oder bleibt sie, selbst wenn nur noch ein Funken künstlerischen Potenzials glimmt? Eine Frage, die sich auch bei Thomas Bernhards „Der Theatermacher“ stellen lässt. Dort sind es zwar keine heiligen Hallen der Schauspielkunst, sondern nur ein heruntergekommener Tanzsaal in einem Gasthaus namens Schwarzer Hirsch irgendwo in der riesigen österreichischen Provinz. Und doch – wo der Funken glüht, sind die Musen nicht weit. Im Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses verabschiedet sich die aktuelle künstlerische Leitung mit Bernhards Salzburger Festspiele-Spott aus den 1970ern von der Landeshauptstadt.
Der selbst ernannte Staatsschauspieler Bruscon wandert mit seiner Familie über die Dörfer. Einst will er in Berlin den Faust und in Zürich den Mephisto gespielt haben, jetzt ist er am Ende: „Wenn wir ehrlich sind, ist das Theater an sich eine Absurdität. Wenn wir ehrlich sind, können wir überhaupt nichts mehr tun. Außer uns umbringen.“ So zieht er widerwillig ein in diese mit Bier getränkte Halle, die er sonst nicht einmal zum Wasserlassen betreten hätte – früher. Sie wird zur kleinen persönlichen Welt unter der Lupe Bernhards. Bruscon arbeitet sich ab an seiner niedergegangenen Existenz, an seiner talentlosen Familie, an der Welt, dem Theater, der Kunst an sich und an seinem selbst titulierten Meisterwerk „Das Rad der Geschichte“. Darin verfrachtet er die großen Tyrannen der Weltgeschichte in die Provinz. Eigentlich ist er sich sicher, dass der Abend nicht stattfinden wird. Denn alles scheint morsch, im Gasthaus ist ausgerechnet Blutwursttag und die Feuerwehr wird am Ende seines Stücks nicht – wie einst in Salzburg – das künstlerisch notwendige, aber eben obligatorische Notlicht ausschalten. Doch alles kommt anders als gedacht, die Natur legt kunstvoll ein paar Hebel um.
Regisseurin Christina Tscharyiski erzählt die Geschichte in Düsseldorf mit einem reinen Frauenensemble um Rosa Enskat als Bruscon. Ergänzt wird Bernhards Text durch einen Monolog des österreichischen Dramatikers Ferdinand Schmalz.
Der Theatermacher | 13. (Voraufführung), 16. (P), 17., 18.4., 19., 20.5. | Düsseldorfer Schauspielhaus, Kleines Haus | www.dhaus.de
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