Unberechtigt ist das Fragezeichen nicht: „Nie wieder Krieg?“ So lautet das diesjährige Motto der Duisburger Akzente. Denn hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ist die Welt nur bedingt friedlicher geworden. Syrien, Jemen oder die Ukraine – das sind nur wenige der aktuellen, globalen Konflikte. Sie verdeutlichen, wie brisant jenes „Motto“ ist, mit dem einst der „Friedensbund der Kriegsteilnehmer“ unter Mitwirkung von KünstlerInnen wie Carl von Ossietzky, Kurt Tucholsky oder Käthe Kollwitz auf die Schrecken dieses ersten industriellen Weltbrands reagierte.
In dem Jahr, in dem sich der Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918 zum hundertsten Mal jährt, fragen auch die Duisburger Akzente nach der Vermeidbarkeit kriegerischer Konflikte. So gibt es Lesungen von Klassikern wie Erich-Maria Remarque und Wolfgang Borchert oder Installation und Ausstellungen wie Harald Reusmanns Fotoprojekt „Hybris“, das über die Bildsprache von Propaganda aufklärt.
Traditionell gibt es bei den Duisburger Kulturwochen das Akzente-Theatertreffen, bei dem regionale wie bundesweite Stücke aufgeführt werden. Bereits bei der Eröffnung wurde Lars-Ole Walburgs Bühnen-Adaption von „Im Westen nichts Neues“ (Schauspielhaus Hannover) aufgeführt.
Ein weiteres Highlight war ein Gastspiel des Burgtheaters Wien: „Die Perser“ von Aischylos. Denn aus dem Stück, das als ältestes überliefertes Drama überhaupt gilt, macht Regisseur Michael Thalheimer eine Inszenierung, die die Hybris der Mächtigen vor Augen führt. Aischylos Stück, das irrtümlicherweise oft als Anti-Kriegsstück rezipiert wurde, erzählt vom Untergang der persischen Flotte in der Seeschlacht gegen Athen aus Sicht der Besiegten.
Thalheimer hat bereits etliche klassische Vorlagen vor minimalistischer Kulisse auf ihren Kern reduziert. Das macht er auch mit dieser von Durs Grünbein überarbeiteten Fassung, in der Atossa, die Königsmutter (gespielt von Christiane von Poelnitz) im langen goldenen Schärpenkleid an der Bühne kauert. Dort wird sie die gesamte Spielzeit verharren. Ohne Blick nach hinten. Weder zum Boten, der die Nachricht von der Niederlage überbringt, noch schließlich zu ihrem Sohn Xerxes (Merlin Sandmeyer), der von seinem Feldzug heimkehrt. Als buchstäblich nacktes Elend, schreiend und winselnd. Diese Elite ist ohnmächtig angesichts einer Katastrophe, die sie selbst angezettelt hat. Das ist die Mahnung, zu der Thalheimer diesen Klassiker verdichtet.
Mit Erinnerungen an die Zeit im Kalten Krieg fing dagegen ein anderes Projekt an. Ulrike Gerritzen erzählte von ihrer Kindheit. Damals fragten sich viele BürgerInnen: Haben wir genug Vorräte für den Fall eines Atomkriegs? „Aus diesem Gespräch ist dann eine künstlerische Performance geworden“, erzählt Brigitte Böckmann. Gemeinsam mit Ulrike Gerritzen, Arno Gendreizig und Hanz Heinz entwickelte sie die Idee zu „Wir proben den Notfall“, eine Performance, die den Rat des Innenministeriums aus dem Jahr 2016 aufgreift, die BundesbürgerInnen sollten einen Nahrungsvorrat für 14 Tage anlegen. Seit dem 4. März sitzen die vier nun in der improvisierten Küche im Ladenlokal, kochen, essen und halten das Ganze in einem Blog fest. Drei Mahlzeiten gibt es am Tag, der Vorrat soll natürlich für 14 Tage reichen. Alle BesucherInnen sind dazu eingeladen, sich mit an den Essenstisch zu setzen. Aber nicht nur das: An die Schaufenster können sie Zettel mit Erinnerungen an Krisenzeiten anbringen. Und viele hängen dort bereits. Mit Schilderungen über Notfallvorräte für den Atombunker oder einem Rezept für einen Kriegskuchen. Auch das sind mahnende Worte für den Frieden.
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