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„Sistas!“
Foto: Kamil Janus

Über die Familie

27. Februar 2024

45. Duisburger Akzente – Festival 03/24

Das Werbemotiv mit den Klebestreifen auf weißem Grund deutet schon an, dass sich die 45. Duisburger Akzente mit etwas beschäftigen, das immer wieder geflickt, repariert, neu zusammengesetzt oder mit Mühe zusammengehalten werden muss. Das Motto der diesjährigen Ausgabe lautet „Familienbande“. Dabei spielt der Zusammenhalt innerhalb der Familie eine besondere Rolle. In einem gewohnt vielfältigen Programm aus Theater, Tanz, Performance, Literatur und Film werden Familienbande gezeigt, hinterfragt und von allen Seiten, den guten wie den schlechten, beleuchtet.

Bevor man sich zugehörig fühlen kann, muss man zunächst die eigene Identität erkennen. Die Rückkehr von Ivys Vater zu ihrem 21. Geburtstag führt unter den drei Schwestern zu Diskussionen. Wie wäre ihr Leben mit einem anwesenden Vater gewesen? Wie wäre es gewesen, in den USA anstatt in Deutschland zu leben? Das Stück „Sistas!“ (13.3., Theater Duisburg) unter der Regie von Isabelle Redfern und Katharina Stoll will Fragen nach der eigenen Identität beantworten, aber auch nach einer nationalen. Was bedeutet es z.B. „deutsch“ zu sein? Ist es kulturelle Aneignung, wenn Künstler:innen einer Kultur von Außenstehenden behandelt werden? Wie fest die jeweiligen Bande geknüpft werden, scheint also zumindest diskussionsbedürftig und davon abhängig, wie sehr man sich damit identifiziert.

Doch nicht nur mit Personen und Kulturgütern kann man sich identifizieren: Thomas Frahm zeigt in seiner Performance „Ruhrort – Ein Stadtteil als Familie“ (10.3., Lokal Harmonie), das auch zu Orten Bande geknüpft werden können. Ererzählt darin u.a. von Erinnerungen an eine Zeit, die er in der bulgarischen Hauptstadt Sofia verbrachte, und verknüpft diese mit seinem gegenwärtigen Leben im Ruhrort. Seine Solo-Performance besteht aus Text und Gesang.

Für manche bedeuten Familienbande nicht nur Positives. Aufgrund ihrer engen Verknüpfung kann die Familie auch bleibende Schäden anrichten, die sich im Laufe des Lebens als Traumata bemerkbar machen. In ihrer Rauminstallation „Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt“ (3.3., Kunstquartier) beleuchtet Friederike Huft eben diese Wirkung. Familie ist hier ein soziales Konzept, das die individuellen Bedürfnisse nicht erfüllen kann.

45. Duisburger Akzente: Familienbande | 1. - 24.3. | div. Orte | www.duisburger-akzente.de

Sophie Fleisgarten

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