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Foto: Bert Zander

Höhlengleichnis

03. März 2021

„Innen.Nacht“ als Premiere im Live-Stream am Theater Oberhausen – Prolog 03/21

Können Sie gut mit sich alleine sein? Bis 2019 hätten wohl viele von uns diese Frage entschieden mit „Ja!“ beantwortet. Nach fast 12 Monaten Pandemie und andauerndem Lockdown dürfte die Antwort weniger enthusiastisch bejaht werden. Allein sein heißt eben nicht nur, endlich mal ungestört ein Buch zu lesen, Stricken zu lernen oder selbst Sauerteigkulturen anzusetzen. Wer lange mit sich allein ist könnte feststellen, dass die eigene Gesellschaft auf Dauer gar nicht mal so nett ist. Der Abgrund, in den wir dort hinein starren, blickt irgendwann zurück. Die Hölle, das sind nicht immer nur die anderen.


Mit menschlichen Abgründen kennt sich auch Regisseur Bert Zander bestens aus. In der Spielzeit 2018/19 verwandelte er mit Dostojewskis „Schuld und Sühne“ einen Klassiker in eine theatrale Filminstallation. Der Solo-Abend um den Schauspieler Christian Bayer als Raskolnikow wurde 2019 beim NRW Theatertreffen als beste Inszenierung ausgezeichnet. Im ersten Lockdown 2020 baute er seine Inszenierung von Albert Camus’ „Die Pest“ am Theater Oberhausen flexibel zu einem neuartigen Theater-/Filmformat um, das als Miniserie auch im TV auf 3Sat lief. Wo anderen die Decke auf den Kopf fällt, hat Zander aus der inneren, von der Pandemie verordneten Klausur neue Kreativität gewonnen.


Mit seiner aktuellen Inszenierung „Innen. Nacht. Geschichten aus der Höhle“ sucht er wieder nach Formen, um Theater auch in kontaktlosen Zeiten ohne physisch anwesendes Publikum sinnlich erfahrbar zu machen. Die Stille, die in der Einsamkeit recht laut werden kann, weiß er dabei produktiv zu nutzen. Mit seinem Ensemble – neben Christian Bayer sind diesmal Torsten Bauer, Clemens Dönicke, Agnes Lampkin, Anna Polke und Luna Schmid vertreten – horcht er in diese Stille hinein, die nur von den eigenen Geschichte erfüllt wird. Das fördert nicht nur eine Bestandsaufnahme der individuellen Vergangenheit zutage, sondern hält Ausschau nach einer Zukunft, einem Ort, einer Utopie, wo ein Licht am Tunnelende aufblitzt. Denn einer Archäologin gleich in den eigenen Hirnwindungen zu buddeln ist temporär gut und schön. Aber irgendwann wollen wir raus aus der Höhle, rein ins Getümmel. Und sei es auch vorerst nur virtuell.

 

Innen.Nacht. Geschichten aus der Höhle (Premiere) |  R: Bert Zander | Sa. 13.3., 21 Uhr (Livestream) | Theater Oberhausen

Maxi Braun

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