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Kwame Osei und Kama Frankl-Groß (v.l.)
Fotos: Dana Schmidt

Von der Straße ins Theater

18. April 2024

„Multiversum“ am Theater Oberhausen – Prolog 04/24

Jeder kann es fühlen, wenn er in einen Spiegel schaut: Hinter der aufgedampften Silberschicht scheint noch ein Paralleluniversum zu existieren. Programmierte Klone, die exakt dieselbe Bewegung ausführen wie wir. Kaum haben wir uns umgedreht, geht das Leben in der Spiegelwelt offenbar weiter. Sie ist eine von unzähligen multiplen Universen, deren Existenz die Quantenmechanik seit den 1960er Jahren aufgrund der Berechnungen des Physikers Bryce DeWitt annimmt – und die Dr. Strange vor nicht allzu langer Zeit im Marvel-Universum durchleben musste.

Am Oberhausener Theater befasst sich das neue Stück „Multiversum“ erst einmal mit zeitgenössischen urbanen Künsten. Im Mai treffen dort im Studio sehr unterschiedliche „Urban Dance Styles“ wie Breakdance oder Locking auf Musik und Videokunst. Ein energiegeladener Tanzstil, der in den 1990er Jahren in den afroamerikanischen Communities in Los Angeles entstanden ist, wird wohl im Vordergrund stehen: Krumping ist schnell, intensiv und emotional, arbeitet mit Körper und Mimik. Oft erzählt es emotionale Geschichten aus den unterschiedlichen sozialen Brennpunkten der Viertel – aber auch die sind natürlich nur eine weitere Spiegelwelt, die das alltägliche Leben in der vom Strukturwandel gebeutelten „Wiege der Ruhrindustrie“ erschafft.

Urbane Künste haben in Oberhausen einen neuen Stellenwert am Theater bekommen, mit eigener künstlerischer Leitung, den Choreograph:innen Kama Frankl-Groß und Kwame Osei, und einem neuen Ensemble aus sechs Tänzer:innen. Dieser Ankerpunkt reicht weit in die unterschiedlichen Lebensbereiche der Stadt hinein: Beispielsweise gerieten an einigen Schulen seit dem vergangenen Winter auch Jugendliche mit den urbanen Ausdrucksformen in Kontakt und kamen so ans heimische Stadttheater. Seit Januar entsteht in gemeinsamer Arbeit das Projekt „Multiversum“, das nach der Uraufführung ins Repertoire aufgenommen werden soll. So ermöglicht das Theater neue Begegnungen – wer weiß, vielleicht wird dadurch auch eine neue emotionale Bindung an eine gerade in Oberhausen stark veränderte Stadtsituation geschaffen.

Multiversum | 4. (UA), 5., 26.5. | Studio Oberhausen | theater-oberhausen.de

Peter Ortmann

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