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Lucy Flournoy, ernüchtert oder gar am Boden zerstört.
Foto: André Symann

Sentimentale Krähe, böse Zahnfee

08. Juli 2019

„Short Cuts“ der Folkwang-Studierenden bei Full Spin in Essen – Bühne 07/19

Einmal im Jahr präsentieren die Studierenden des Studiengangs „Physical Theatre“ der Folkwang Universität der Künste ihre Eigenkreationen in einem Bühnenprogramm. Diesmal waren die „Short Cuts“ als Programmpunkt in das Festival Full Spin eingegliedert. Rund zwei Stunden lang präsentierten die Folkwang-Studierenden im Essener Maschinenhaus auf dem Gelände der Zeche Carl ihre Stücke. Mit einer Länge von jeweils zehn bis 20 Minuten ging es im Schnelldurchgang durch die unterschiedlichsten Facetten der physischen Geschichten, die mit und über den Körper erzählt werden.

Vom pantomimischen „Du krachst mich entzücklich“ von Laura van Meurs und Milena Cestao Kolbowski und die akrobatische Performance „Twinkle“ von Nina Zorn, die sich auf hohen Stelzen in eine Furcht einflößende Zahnfee verwandelte, reichte die Palette bis hin zur dadaistisch beeinflussten Performance „Crow“ von Lucy Flournoy. Die US-Amerikanerin, die ihr Kurzstück unter anderem auch schon bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen aufgeführt hat, schlüpft darin in die Rolle einer Krähe, die sich selbst als sentimental bezeichnet. „This bird loves you“, rief sie auch dem Publikum im Maschinenhaus zu. Flournoys Text schlägt eine Brücke in die Zeit um 1918, in der die Schlachten des Ersten Weltkriegs geschlagen, aber auch kontroverse Diskussionen über moderne Kunst wie die von Marcel Duchamp geführt wurden. Die Krähe wirft die Frage auf, ob sich seitdem viel verändert hat und wirkt angesichts des Resultats ernüchtert.

Mit einer Mischung aus Showtanz- und Ballett-Elementen rundete Flournoy ihre überzeugende Performance ab, bei der sie auch den Gang ins Publikum und den Körperkontakt mit einzelnen Zuschauerinnen und Zuschauern nicht scheute. Mit enormer körperlicher Präsenz brachten auch Wayne Götz und Elina Brams Ritzau ihr Stück „Remnant“ auf die Bühne: Götz als Mann, der seine Vergangenheit vergessen möchte, die ihn aber in Gestalt der ganz in schwarz gekleideten Ritzau in Wortsinn nicht loslässt – was zu einer physischen Konfrontation zwischen den beiden Figuren führt. „Das Spiel ist vorbei“, hieß es dann zum Abschluss: Julia Berger hatte ihren Beitrag „My eyes are closed, sagte die Realität“ zunächst spielerisch-tänzerisch zu Big-Band-Klängen und mit goldenen Ballons eingeleitet. Darauf folgte ein nachdenklicher Monolog.

Das 5. Full Spin Festival in Essen ging am 6. Juli mit weiteren Aufführungen aus der Welt des Physical Theatre zu Ende. Unter anderem stand noch der „Oona Doherty Chaos Workshop“ und die Performance „Notorious Strumpet & Dangerous Girl“ der australischen Künstlerin Jess Love auf dem Programm.

Jörg Laumann

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