Über zwanzig Jahre ist es her, dass die ruandisch-britische Musikerin Dorothée Munyaneza einen Soundtrack zum Film „Hotel Ruanda“ (2004) komponierte. Der nordirische Regisseur Terry George erzählte damals einem breiten Kinopublikum vom Genozid an der Tutsi-Minderheit in Ruanda, bei dem Schätzungen zufolge circa 800.000 Menschen ermordet wurden.
Anschließend – und nach einigen Projekten als Sängerin – widmete sich Munyaneza in den Folgejahren auch dem Tanz. Immer wieder kam die 1982 in Ruanda geborene Künstlerin, die im Alter von zwölf Jahren mit ihren Eltern nach Großbritannien fliehen konnte, auf den grausamen Völkermord in ihrem Herkunftsland zurück. Darum dreht sich auch ihr aktuelles Bühnenstück „Umuko“, das im letzten August beim Internationalen Tanzfest Berlin seine Deutschlandpremiere feierte.
Gemeinsam mit ihrer 2013 gegründeten Tanzkompanie Cie Kadidi knüpft Munyaneza nun auch auf PACT Zollverein an ihre beiden Vorgängerproduktionen an. Während sie in „Samedi Détente“ (2014) ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Genozid aufarbeitete, basierte „Unwanted“ (2017) auf Interviews mit Überlebenden. Im Mittelpunkt standen dabei vergewaltigte Frauen und ihre Kinder – in Ruanda, aber auch anderen Krisenherden der Welt wie Syrien, Kongo oder dem ehemaligen Jugoslawien.
„Umuko“ ist der Name eines Baumes mit zinnoberroten Blüten, in Ruanda ist er traditionell ein Symbol für Heilung. Zugleich steht er für das Gedenken der Geschichte und die Verflechtung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Mit dieser setzt sich Munyanezas Choreografie auseinander, als allegorische Suche nach Bewältigungsstrategien für eine blutige Vergangenheit und nach Entwürfen für eine hoffnungsvolle Zukunft.
Ihre Choreografie hat sie als loses Nebeneinander von szenischem Spiel, Gesang und Tanz konzipiert. Es sind vor allem regionale, traditionelle Tänze, die sie ihre Kompanie auf der Bühne performen lässt, um das Erbe eines Landes wachzuhalten, das mit einer blutigen Vergangenheit zu ringen hat – mit Wunden, für die „Umuko“ Heilung verspricht. Oder zumindest Trost.
Umuko | 28., 29.3. je 20 Uhr | PACT Zollverein, Essen | 0201 289 47 00
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