Helmut Sanftenschneider macht mit seinen Gästen die Show NachtSchnittchen zu einem persönlichen Erlebnis. Persönlicher als manchem vielleicht lieb ist.
Sie sind bekannt aus Funk und Fernsehen, und sie locken ihr Publikum in die Theater. Ein Novum im Ruhrgebiet: Das Theater im Essener Rathaus bekommt keine Subventionen, man zahlt Miete an die Stadt und ist so erfolgreich, dass viele Stars und Sternchen gerne in die ehemalige Kulturhauptstadt kommen.
Was ist eigentlich lustig daran, wenn andere sich aufregen? In die Luft gehen? Sich echauffieren? Ihrer Wut freien Lauf lassen, bis die Halsschlagader schwillt? An der Befreiung von unterdrückten Ängsten, wie Papa Freud meinte, kann es kaum liegen.
Der Sommer ist vorüber, die Hochkultur lockt mit lässiger Arroganz. Was täte da Not? Rock’n‘Roll im Ruhrgebiet, Anarchie auf den Bühnen. Doch was tummelt sich da? Hier Hexen, Geister, Mord und wandelnde Wälder, dort eine phantastische Mischung aus Volksmärchen, Abenteuergeschichte und philosophischer Abhandlung über den modernen Menschen zwischen Selbstverwirklichung und Ich-Verlust.
Am Anfang war der Flieger. Eroberte den Himmel. Spartanisch sei die Welt. Doch ausufernd in Gedanken. Dann rammte das Fluggerät einen Wolkenkratzer und veränderte einen ganzen Planeten. Im kleinen Theater im Dortmunder Depot zeigt der Regisseur und Schauspieler Jens Dornheim „Das Produkt“ von Mark Ravenhill, in dem das zentrale Thema internationaler Politik in Hollywood vermarktet wird.
Während in Dortmund ein Spiegelzelt aufgebaut worden ist, in dem „RuhrHOCHdeutsch“ gesprochen wird, hat man am Kemnader See bei Bochum-Witten eine Zeltstadt errichtet: Vom 16. August bis zum 1. September geht es beim Zeltfestival Ruhr rund.
Ein Fernseher mittig auf der Bühne ist die einzige Konstante im Spiel der gequälten Geister, die für sich einen Ausweg suchen. Viel mehr ist auch nicht zu sehen am imaginären Hof von König Agamemnon nach dessen Ermordung.
Alles begann in einem winzigen Raum hinter einer Kneipe. Dann kam der Umzug in eine alte Tankstelle, in öffentliche Gebäude, heute residiert das Theater der Gezeiten im ehemaligen Pfarrsaal der St. Antoniusgemeinde in Bochum, zwischen wild wuchernden Pflanzen und einer leer stehenden katholischen Kirche, die irgendwann zu einem Altenheim umgebaut werden soll.
Das finanziell üppig ausgestattete Dickschiff der Ruhrtriennale legt in diesem Monat wieder an den entwässerten kommunalen Kanälen an und preist die Hochkultur des hohen Nutzens für hohe Persönlichkeiten im flachen rotgrünen Theatersterbeland.

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