Die „Roaring Twenties“, die rauschhaft ausschweifenden 20er Jahre, sind ein Thema, an dem ihr Herz hängt. Erstmals konnte sich das Publikum vor gut einem Jahr bei den „Comedian Harmonists“ davon überzeugen. Regisseurin Sandra Wissmann gab mit ihnen einen Musical-Einstand am Gelsenkirchener Musiktheater, der sich gewaschen hatte.
Als eines Tages am Strand der Insel Titiwu ein Eisberg aus der Eiszeit mit einem großen Ei angeschwemmt wird, ist dies ein großer Tag für den Naturkundeprofessor Habakuk Tibatong. Der lebt dort mit seinen Tieren und hat ihnen das Sprechen beigebracht und sucht einen Beweis für seine Theorie von einem Bindeglied zwischen Dinosauriern und Säugetieren, dem sogenannten Urmel.
Irgendwo im Land der Zwiebeln träumt sich ein Mann durchs Leben, eine Handvoll Geister begleiten ihn dabei, rauben seine Persönlichkeit, spielen seine Spiele, leben seine Träume, treiben ihn durch die Welt. Intendant Kay Voges inszeniert in Dortmund Ibsens „Peer Gynt“, losgelöst von skandinavischem Mythos, eingebettet in einen New Yorker Soundteppich, in einem Wasserbecken für Schwimmanfänger, das einem Waschzuber für Seelen gleicht.
Alles beginnt auf einem Jahrmarkt: In einer Freakshow entdeckt der Londoner Arzt Dr. Treves den jungen John Merrick, der seinen Lebensunterhalt als sogenannter „Elefantenmensch“ verdient – begafft von Jung und Alt als unfassbare Laune der Natur. Dr. Treves‘ wissenschaftliches Interesse ist geweckt. Doch Begaffter und Begaffende – wer ist das Monster?
Er gilt als das Ruhrgebiets-Original schlechthin, der 1923 in Koblenz geborene und 1994 in Herne gestorbene Jürgen von Manger, auch bekannt als Adolf Tegtmeier. Mit seinem Käppi, einem Hamburger Elbsegler, auf dem Kopf, der charakteristischen Mimik, die einer einseitigen Gesichtslähmung geschuldet war und seinem breit gezogenen Ruhrpott-Slang gehört er nach wie vor zu den Galionsfiguren der Region, einer, der sich „Mensch bleiben“ auf die Fahne geschrieben hatte.
Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt. Denkste. Auch wenn Sibylle Broll-Pape ihren „Othello“ quasi unter dieses Motto stellte, löste die Inszenierung diese Anfangsbehauptung nicht ein.
Um ein Haar wäre nichts daraus geworden – aus dem ganzen Kult um das schöne Monster Rocky, den außerirdischen Transvestiten Frank’n‘Furter und sein schrilles Horrorschloss. Denn als Richard O‘Brian und Jim Sharman 1975 ihr Musical „The Rocky Horror Show“ nach knapp zwei erfolgreichen Jahren auf der Bühne ins Kino brachten, da wollte es dort kaum jemand sehen.
Die Welt, in der Othello seinen Platz behaupten muss, ist klein, sie ist eine kleine weiße Kiste, in der sich Ungeheuerliches abspielt, in der die Mächtigen Venedigs genauso wie die Liebenden und Intriganten ihr Dasein fristen müssen. Manchmal brechen sie daraus hervor, doch dann scheint die Welt aus den Fugen zu geraten.
Der Theaterherbst lebt auch von Absonderlichkeiten: Da rechtfertigen sich scheinbare Monster, philosophieren Puppen über Gott und die Welt, und drei Freunde streiten über Kunst ohne Inhalt und ihren monetären Wert. In Dortmund beginnt alles auf einem Jahrmarkt.
Eigentlich gab es den Urknall der Moderne gar nicht. Bei der Inszenierung der Uraufführung von „1913“ im Oberhausener Theater konnte nur eine Salve mittelgroßer Erschütterungen der damaligen kulturellen und gesellschaftlichen Lebensumstände bewiesen werden.

„Die Chaostheorie als Denkfigur“
Neue Spielzeit mit dem Titel „Chaos“ im Theater Mülheim an der Ruhr – Premiere 11/26
Die Revolution bleibt aus
„Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ in der Kokerei Hansa Dortmund – Prolog 11/26
Ballett und Battles
„Kleine Hände“ im Musiktheater im Revier (MiR) – Tanz an der Ruhr 11/26
Reise durch die wilde Mittelerde
„Der Hobbit“ im Jungen Schauspiel Düsseldorf – Prolog 10/26
„Beethoven bleibt in voller Strahlkraft erhalten“
Regisseurin Claudia Bossard über „Clockwork Orange“ am Bochumer Schauspielhaus – Premiere 10/26
Bürgerliche Moral auf Koks
„Die Dreigroschenoper“ in der Dortmunder Kokerei Hansa – Prolog 10/26
„Es geht um Selbstermächtigung und Freiheit“
Regisseurin Elisabeth Stöppler über „Das Wunder der Heliane“ am Aalto-Theater Essen – Interview 10/26
Waacking und Wende
„Kipppunkte“ am Theater Oberhausen – Tanz an der Ruhr 10/26
Tanzende Pixel und Shakespeare auf dem Turntable
Favoriten Festival in Dortmund – Bühne 09/26
Legenden der schönen, scharfen Klinge
„Samurai X“ am Jungen Schauspiel Düsseldorf – Bühne 09/26
„In so einer revolutionären Situation sind wir heute nicht“
Regisseur Matthias Heße über „Die Zofen“ am Schlosstheater Moers – Premiere 09/26
Eine Welt aus Mensch und Maschine
Spielzeiteröffnung im Theater an der Ruhr – Prolog 09/26
Der verdrängte Müll
„Waste Me“ in Pact Zollverein – Tanz an der Ruhr 09/26
Zwischen Identität und Instrumentalisierung
„Back to Kidal“ bei der Ruhrtriennale – Tanz an der Ruhr 08/26
Ein Straßenfeger im Osten des Reviers
33. Festival Welttheater der Straße in Schwerte – Prolog 08/26
Dauerbrenner unter freiem Himmel
Das NN Theater Freiluftfestival 2026
„Wir gehen den Weg zusammen“
Aurel Dawidiuk wird neuer Intendant und GMD der Bochumer Symphoniker – Interview 07/26
„Wir opfern unsere Welt für Fortschritt“
Regisseur Philipp Preuss über „Circus Oresteia“ im Mülheimer Raffelbergpark – Premiere 07/26
Die Läuterung der Bösen
„Der Sturm“ im Schlosspark Bochum Weitmar – Prolog 07/26
Urban Arts und Wüstenkunde
„Magec / the Desert“ auf PACT Zollverein in Essen – Tanz an der Ruhr 07/26
Ein Jahr lang gute Taten reichen nicht
„Die kleine Hexe“ beim Düsseldorfer Sommertheater im Park – Prolog 06/26
Freiheit, Krieg, Einsamkeit
„Ptah VI“ am Essener Aaalto Theater – Tanz an der Ruhr 06/26
Freiheit gegen Tyrannei
„Die Räuber“ am Bochumer Schauspielhaus – Prolog 06/26
„Die Szene ist noch sehr lebendig“
Leiterin Franziska Werner über das Impulse Festival 2026 in NRW – Premiere 06/26
Schrecken aus Eis und Finsternis
Fidena in Bochum: Marionetten aus Eis gleiten auf Virginia Woolfs Wellen – Bühne 05/26