Theater als Spiegel der Realität. Zukunft oder Gegenwart? Das Böse ist immer und überall. Anthony Burgess hat dies in seinem 1961 veröffentlichten Roman „A Clockwork Orange” bereits überzeugend kommentiert. Auch wenn Alex und seine Gang Nacht für Nacht durch die Stadt ziehen und sich auf wehrlose Opfer stürzen, zynisch, grausam und gewissenlos sind nicht nur sie. Die Gesellschaft kontert. In einem gewagten Experiment wird Alex einer Gehirnwäsche unterzogen, die ihm seine Aggressionen austreiben soll. Schon der Gedanke an Gewalt verursacht fortan Übelkeit und körperliche Schmerzen. So konditioniert wird Alex als „geheilt” in die Freiheit entlassen. Doch die Horrorshow geht weiter. Für die Regierung gilt er als Paradebeispiel gelungener Resozialisierung und Verbrechensbekämpfung, für Opposition und Menschenrechtler ist er ein bedauernswertes Opfer der modernen Welt – vom Staat manipuliert und des freien Willens beraubt. Stanley Kubricks Verfilmung aus dem Jahre 1971 hat Kultstatus. Roman und Film stellen die Frage, ob Straftätern zur Verhinderung weiterer Gewalttaten der freie Wille genommen werden darf, und ob die Sicherheit der Gesellschaft über die Freiheit des Einzelnen zu setzen ist. Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer in einer Inszenierung zwischen Wissenschaft und Wahn, visionärem Einsatz und Hybris.
Um Gewalt geht es auch im Dortmunder Studio. Hier wird das luxuriöse Wohnzimmer der Europa-Abgeordneten Henriette und ihres Ehemanns Raimond zum Schauplatz eines skurrilen Arbeitskampfes. Zwischen den Figuren eskaliert dort ein politischer Streit, der in Gewalt umschlägt. Die Anwesenheit von Henriettes Sohn Bastian heizt die Stimmung noch an: Bastian ist Journalist – und hält jedes Detail der Auseinandersetzung mit seiner Filmkamera fest. Der niederländische Autor, Regisseur und Schauspieler Eric de Vroedt inszeniert mit „MIGHTYSOCIETY – Die Restposten“ zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum. Seine Stücke sind hochkomische Satiren, die mit direkter Sprache aktuelle politische Themen aufgreifen. De Vroedt zeigt die Verstrickungen des Einzelnen mit Ökonomie und Politik in der globalisierten Welt.
Politik, Gewalt, Freiheit oder Unterdrückung. Der Autor und Regisseur Nuran David Calis fragt in „Kinder der Revolution“ gemeinsam mit einer Klasse von Schauspielstudierenden, was Jugend in Deutschland und Europa heute bedeutet, und wie sich die Generation der 20- bis 25Jährigen mit dem Rest der Welt vernetzt. Gemeinsam nehmen sie Kontakt in alle Welt auf, suchen nach Ideen, Verbindendem, Konfliktstoff und dem Drama ihrer Generation, dem sie dann in den Kammerspielen ihr Gesicht und ihre Stimme leihen. Gut ein Jahr ist es her, dass die Proteste in den arabischen Ländern das Gleichgewicht der Welt neu definiert haben. Dabei waren es fast überall die Jungen, von denen sie ausgingen. Auch in Europa bricht sich der Unmut einer jungen Generation immer wieder Bahn: Sei es in den Plünderungen der Londoner Riots oder als Antiglobalisierungsprotest in Madrid und anderen Städten. Steht also auch Europa vor einem Aufstand der Jungen, wenn auch unter anderen Vorzeichen?
Uraufführung „Kinder der Revolution“ I 12. April I Kammerspiele Bochum
Premiere „Die Restposten“ I 12. April I Theater Dortmund
Premiere „Clockwork Orange“ I 7. April I Grillo-Theater Essen
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