Krisen entpuppen sich nicht selten als ein Sujet, auf das sich die Künste kritisch oder satirisch stürzen. Das gilt ebenso für das spartenübergreifende asphalt Festival in Düsseldorf, das der Theaterregisseur Christof Seeger-Zurmühlen und der Komponist Bojan Vuletić vor zehn Jahren gründeten: als Ort der Empathie, als Plattform für künstlerische Auseinandersetzungen mit jenen Themen, welche die Gesellschaft derzeit bewegen. Das ist ein Grund dafür, dass die Veranstaltungen im öffentlichen Raum gezeigt werden, wie beispielsweise auf einer schwimmenden Seebühne.
Zu den brennenden Fragen der Gegenwart gehört etwa die Aufarbeitung von rechter Gewalt und rechtem Terror, denen in der Bundesrepublik in den vergangenen 30 Jahren 113 Menschen zum Opfer fielen. Darin reiht sich der 27. Juli 2000 ein, an dem in Düsseldorf eine Bombe am S-Bahnhof Wehrhahn explodierte. Die Folge: Zehn Menschen verletzten sich schwer, ein ungeborenes Kind verstarb. Die Opfer waren Migrant:innen, darunter viele Geflüchtete und Menschen jüdischen Glaubens. Eine Aufklärung blieb bis heute aus, womit sich in bester Dokumentartradition das Theaterkollektiv Pièrre.Vers beschäftigt. In der Uraufführung von „Dunkeldorf“ kommen Akteur:innen aus der Stadtgesellschaft zu Wort, um den Anschlag gemeinsam in Erinnerung zu rufen.
Noch ein Beispiel für die Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Krisensymptomen ist das Stück „Heil. Eine energetische Reinigung“, das die Erfolgsschriftstellerin Stefanie Sargnagel für das Rabenhof Theater Wien verfasste und welches nun ein Gastspiel am Rhein feiert. Die Österreicherin tauchte für ihre Recherche in die Abgründe der Querdenker-Szene, in der sich unter dem Banner des Irrationalismus vor drei Jahren Gestalten aus Esoterik, Verschwörungsideologie-Szene, dem Neofaschismus und der Hippie-Linken zusammenrafften.
Auch dem brutalen Krieg in der Ukraine, den das Kreml-Regime durch den Überfall auf das Nachbarland begann, widmet man sich. Die ukrainische Musik- und Performancegruppe Dakh Daughters verarbeitet den Krieg in ihrer Performance „Danse Macabre“, eine Art „Fronttheater“, das Zeugnis von den Folgen sein soll, die der Krieg für die Menschen hat: durch Familiengeschichten oder ukrainische Volksweisen, als Zeugenbericht oder Cabaret; und vor allem als Anklage des Unmenschlichen.
11. asphalt Festival | 16.6 - 2.7. | div. Orte in Düsseldorf | 0211 23 94 97 98
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Nicht alles glauben!
Wahlkampf NRW: Kampagne der Landesanstalt für Medien NRW – Spezial 09/25
Die Qualität der Langsamkeit
„Precarious Moves“ beim asphalt.Festival – Tanz an der Ruhr 07/23
Kulturentwicklungsplan statt Kürzungen?
„Streit/ Kultur – Bochumer Kulturgespräche. Ist das Kunst oder kann das weg“ am 1.7. in den Rottstr5-Kunsthallen
Freiheit gegen Tyrannei
„Die Räuber“ am Bochumer Schauspielhaus – Prolog 06/26
„Die Szene ist noch sehr lebendig“
Leiterin Franziska Werner über das Impulse Festival 2026 in NRW – Premiere 06/26
Schrecken aus Eis und Finsternis
Fidena in Bochum: Marionetten aus Eis gleiten auf Virginia Woolfs Wellen – Bühne 05/26
Die Umschulung des Übels
„Adams Äpfel“ am Moerser Schlosstheater – Prolog 05/26
Der Tod am Anfang
„Radio and Juliet“ am Theater Dortmund – Tanz an der Ruhr 05/26
„Ich habe mich ausgetobt in verschiedenen Genres“
Komponist Samuel Penderbayne über „Die verzauberte Stadt“ am Aalto-Theater Essen – Interview 05/26
Abstieg in die Fleischerei
„Faulender Mond“ am Essener Grillo-Theater – Prolog 05/26
„Kunst kann helfen, auf die Welt zu reagieren“
Intendant Olaf Kröck über die Ruhrfestspiele Recklinghausen 2026 – Premiere 05/26
Kein Märchen von übermorgen
„1984 – Dystopie 2.0“ am Düsseldorfer Central 1 – Prolog 04/26
„Figuren wie unter einem Vergrößerungsglas“
Regisseur Jakob Arnold über „Ruf des Lebens“ am Schlosstheater Moers – Premiere 04/26
Zwei Künstler, drei Stücke
„Relations“ am Essener Aalto Ballett – Tanz an der Ruhr 04/26
Die Schwüle der Provinz
„Der Theatermacher“ am Düsseldorfer Schauspielhaus – Prolog 03/26
Suchen, Finden – und Verlieren
Benedict Wells‘ „Vom Ende der Einsamkeit“ am Schauspielhaus Bochum – Bühne 03/26
Kampf, Hoffnung, Überleben
„Burning City“ am Tanzhaus NRW – Tanz an der Ruhr 03/26
„Man muss in den eigenen Abgrund blicken“
Marie Schleef über „The Lottery“ am Essener Grillo Theater – Premiere 03/26
Zerbrechliche Landschaften
Elfriede Jelineks „Winterreise“ am Schauspielhaus Dortmund – Prolog 03/26
„Die KI wird nicht mehr verschwinden“
Karsten Dahlem inszeniert „Der Sandmann“ am Schauspiel Wuppertal – Interview 02/26
Weisheit, frei erfunden
„Tyll“ am Düsseldorfer Schauspielhaus – Prolog 02/26
Gemeinsam gegen einsam
„Wo sind denn alle?“ am Moerser Schlosstheater – Prolog 02/26
Bett trifft Ballett
„Frida“ am Dortmunder Ballett – Tanz an der Ruhr 02/26
„Ein ungewöhnlicher Frauencharakter“
Dramaturgin Patricia Knebel über die Oper „Die Fritjof-Saga“ am Essener Aalto-Theater – Interview 02/26
„Das Stück stellt uns vor ein Dilemma“
Regisseurin Mateja Koležnik über „Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten“ in Bochum – Premiere 02/26