Mit dem Song „Der Anfang ist nah“, im Original von der Formation Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi, ging es standesgemäß los auf der großen Bühne im Oberhausener Theater: Zu den Klängen des Trios „Westwind of Change“ um den Drummer und musikalischen Leiter Martin Engelbach legte sich der Hausherr gleich mächtig ins Zeug. Theater-Intendant Florian Fiedler, der mit Romi Domkowsky auch die künstlerische Leitung von Westwind bildet, sorgte als Rap-Duo mit Schauspieler Daniel Rothaug aus dem Stand für gute Stimmung unter den jungen und älteren Gästen im voll besetzten Saal.
Domkowsky erinnerte anschließend in ihrer Einleitung noch einmal an das Motto der Westwind-Woche, die in diesem Jahr im Zeichen der offenen Gesellschaft stehen soll. „Das Motto ist gleichzeitig auch ein Appell“, befand die erste Festrednerin, Isabel Pfeiffer-Poensgen, in ihrem Beitrag zur Gala. Die parteilose NRW-Ministerin für Kultur und Wissenschaft bezeichnete die Arbeit der Kinder- und Jugendtheater im Bundesland als „ein hoch entwickeltes, tolles Angebot“. Nun sei es wichtig, dies noch stärker an die Schulen zu bringen, weil man dort alle Kinder erreichen könne. Wolfgang Stüßel vom deutschen Vorstand der internationalen Vereinigung des Theaters für Kinder- und Jugendliche (ASSITEJ) erklärte als zweiter Redner, dass er bereits vor einiger Zeit auf die Bedeutung hingewiesen habe, nach dem Vorbild Berlins das Kinder- und Jugendtheater in allen Belangen mit dem Erwachsenentheater gleichzusetzen. Er habe den Eindruck, dass NRW in dieser Hinsicht mittlerweile auf einem guten Weg sei.

Kirstin Hess vom Jungen Schauspielhaus Düsseldorf, eine von vier Sprecherinnen des Arbeitskreises der Kinder- und Jugendtheater NRW, verwies in ihrer Rede bei der Willkommensgala auf das 30-jährige Bestehen der UN-Kinderrechtskonvention und dass darin auch das Recht auf freie Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben festgeschrieben sei. Bei wichtigen gesellschaftlichen Diskussionen, die zuletzt gerade auch von jungen Menschen angestoßen worden seien, müssten die Theater eine wesentliche Rolle spielen und „Raum für Kontroverse und Streit schaffen“, erklärte Hess. Sie führte die Schülerin Emma González, die nach dem Amoklauf in Parkland, Florida, massive Proteste gegen die mächtige US-Waffenlobby organisiert hatte, ebenso als Beispiel an wie die jugendliche „Fridays for Future“-Initiatorin Greta Thunberg aus Schweden. „Auf diese Entwicklungen müssen wir als Erwachsene reagieren.“
Die Willkommensgala endete mit einer von den Oberhausener Ensemble-Mitgliedern Ayana Goldstein und Mervan Ürkmez moderierten Kurzvorstellung der elf Aufführungen, die für das offizielle Programm des diesjährigen Westwind-Festivals ausgesucht worden sind. Die Palette reicht dabei von der Romanadaption „Funny Girl“ (Theater Kohlenpott, Herne) über eine junge kurdische Frau, die in London zum Comedy-Star werden will, bis hin zu Neudeutungen von Klassikern wie Ödön von Horváths „Jugend ohne Gott“ (Junges Schauspielhaus, Düsseldorf) oder Erich Kästners „Das doppelte Lottchen“ (Comedia Theater, Köln). Romi Domkowsky wies bei der Eröffnung darauf hin, dass alle eingeladenen Produktionen bereits Preisträger seien. Das vom Kulturministerin zur Verfügung gestellte Preisgeld werde entsprechend gleichmäßig aufgeteilt. Bei der Abschlussfeier am 21.6. werde zudem jeweils ein Preis der Kinder- und Jugendjury vergeben.
Während Westwind 2019 voll im Gange ist, steht auch bereits der Gastgeber für das kommende Jahr fest: Dann wird das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel das NRW-Theatertreffen für junges Publikum ausrichten.
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