trailer: Herr Strüder, RUHR.2010 ist bald um. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Christian Strüder: Es ging darum, eine kulturell bislang weniger beachtete Region als Kulturmetropole zu präsentieren. Trotz des guten Rufs einiger traditioneller, etablierter Einrichtungen musste man sich immer noch vom Kohlenstaub befreien. Und die Freie Szene spielte überregional bisher keine Rolle. Für eine Gesamtbilanz fehlt mir jedoch der Überblick.
Es war einer dieser gefürchteten Staus auf der A40. Der ständige Wechsel
zwischen fünf Minuten Stillstand und zehn Metern Vorwärtskommen zehrt
an Batterie und Nerven. Die Kollegin am Telefon versichert, dass es keinen
Weltuntergang bedeute, ein wenig zu spät zu kommen.
Als wir das schwere Eisentor vor unserem Haus zur Seite schieben, nickt unser haitianischer Sicherheitsmann freundlich. Dann studiert er weiter die Bibel. Neben ihm lehnt ein großkalibriges Gewehr. Es ist fünf Uhr morgens, die Hauptstadt Port–au-Prince erwacht. Wir sind auf dem Weg in das Bergdorf Coupeau, wo mit Geld der deutschen Kindernothilfe eine eingestürzte Schule neu gebaut wird. Ich begleite den Haiti-Koordinator des christlichen Hilfswerks, Jürgen Schübelin, und den chilenischen Architekten Alvaro Arriagada. Unser Geländewagen passiert den Stadtteil Carrefour. Haiti ist tief verwundet, nicht erst seit dem verheerenden Erdbeben Mitte Januar, das mehr als 250.000 Menschen das Leben gekostet hat.
trailer: Herr Gottlob, wie fällt Ihre Halbjahresbilanz zu RUHR.2010 aus?
Kai Gottlob: Das filmforum hat sich an mehreren Projekten des Festivalbüros in Duisburg beteiligt. Das genreübergreifende Stück „Liebe, Sehnsucht, Ruhrort“ fand im Rahmen der 33. Duisburger Akzente statt. Dort haben wir stadthistorische Filme aus den 20er bis 50er Jahren gezeigt.
Vor dem altehrwürdigen Bahnhof Dahlhausen im Südwesten Bochums fährt die Zukunft vor. Auf Einladung des Vereins ‚PRO Dahhausen e.V.‘ legt die ‚Tour de Ruhr‘, die in der Region größte Veranstaltung zum Thema Elektromobilität, eine Etappenpause ein. Dutzende von Kleinwagen gleiten fast lautlos über das alte Kopfsteinpflaster.
trailer: „Woanders is auch scheiße!“ Herr Goosen, was will uns der Dichter damit sagen?
Frank Goosen: Et is, wat et is, ne? Hier ist es nicht schön, aber woanders ist auch nicht besser. Der Spruch entspricht dem Maximum an Romantik, die dem Ruhrgebietsmenschen zu entlocken ist, wenn er über seine Gegend spricht. Darin spiegelt sich seine Fähigkeit, sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren. Man kann wirklich nicht behaupten, dass es hier objektiv schön wäre. Aber woanders ist es nicht besser, sondern nur hübscher.
Saugen ist umsonst. Das gilt nicht nur für Neugeborene, auch in der Waschstraße ist das so. Langsam hebt sich dort gerade der Bügel millimetergenau über die Motorhaube und bläst mit Macht die letzten Tropfen vom Gefährt. Bremsen testen, raus aus dem Tunnel.
Zu den Absurditäten der Massenmobilität gehört auch nach über hundert Jahren Fahrzeugbau, dass locker eine Tonne Automobil oder mehr bewegt werden will, um einen 75-Kilo-Menschen von A nach B zu bringen. Strom-Autos machen da (noch) keine Ausnahme - im Gegenteil: Wegen ihrer Speicherbatterien fallen sie eher gewichtiger aus. Dabei fängt Elektromobilität ganz leicht an …
Eigentlich wollte ich die WM im Fernsehen sehen. Fußball hat es ja inzwischen zum weltweiten Völkerverständigungs-Kulturereignis geschafft. Aber eine halbe Stunde vor dem Anpfiff läuft nur das austauschbare Expertengeblähe im Studio.
trailer: Frau Vossebein, RUHR.2010 propagiert den Weg weg von der Zeche, hin zur Kultur. Können Sie darüber schmunzeln?
Kornelia Vossebein: Die Zeche Carl verstehe ich als den Prototyp des Strukturwandels. Die Gebäude wurden bereits in den Siebziger Jahren für die Kultur genutzt.

Ein schlechter Zug
Holgers letzte Worte – 07/26
Ohne Angst verschieden
Holgers letzte Worte – 06/26
Kein schöner Zug
Holgers letzte Worte – 05/26
Echte Alternativen
Holgers letzte Worte – 04/26
Was zu beißen
Holgers letzte Worte – 03/26
Unpopuläres Klima
Holgers letzte Worte – 02/26
(Kein) Gesicht zeigen
Holgers letzte Worte – 01/26
Facetten des Antisemitismus
Vortrag und Diskussion im Bahnhof Langendreer Bochum – Spezial 12/25
Das ewige Ringen um die Demokratie
Podiumsgespräch im KWI Essen – Spezial 11/25
Zwischen Anspruch und Realität
Vortrag über Erinnerungskultur im Bochumer Fritz Bauer Forum – Spezial 11/25
Positives bleibt
Holgers letzte Worte – 12/25
Am Kipppunkt der Freiheit
Diskussion über Pressefreiheit mit der Initiative 18 in der Lichtburg Essen – Spezial 11/25
Was Menschen sehen wollen
Diskussion am KWI Essen über Kunsterfahrung und Selfiekultur – Spezial 10/25
Dystopie und Apathie
Jahreskolloquium im Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung – Spezial 10/25
Atom – ja bitte?
Holgers letzte Worte – 11/25
Jenseits des Rasens
„Pilsken, Pöhlen und Probleme“ in der Rotunde Bochum – Spezial 10/25
Nicht alles glauben!
Wahlkampf NRW: Kampagne der Landesanstalt für Medien NRW – Spezial 09/25
Protest gegen Wucher
Online-Gespräch zur Geschichte der Berliner Mietenbewegung – Spezial 08/25
Die Vergangenheit ruhen lassen?
Vortrag über die Essener Justiz nach der NS-Zeit im Bochumer Fritz-Bauer-Forum – Spezial 08/25
Das Ende des Weltmarkts?
Online-Vortrag zur deutschen Wirtschaftspolitik – Spezial 07/25
Der deutschen Identität entkommen
Verleihung des taz Panter-Preises in Bochum – Spezial 07/25
Schuld und Sadismus
Diskussion am KWI Essen über Lust an der Gewalt – Spezial 07/25
Hab’ ich recht?
Diskussion über Identität und Wissen im KWI Essen – Spezial 06/25
Die Rechte erzählt sich gerne was
Diskussion über rechte Ideologie und Strategie im KWI Essen – Spezial 06/25
Im Spiegel der Geschichte
Die Ausstellung „Die Rosenburg“ im Bochumer Fritz Bauer Forum – Spezial 06/25