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Helmut Sanftenschneider bei der Kreativ Rallye
Foto: Benjamin Trilling

Interaktiv ist der Witz

04. März 2019

Finale der Bochumer „Kreativ-Rallye“ mit Helmut Sanftenschneider – Bühne 03/19

Es war ein Traum von Helmut Sanftenschneider: Sein imaginärer Zwillingsbruder aus Peru überzeugt beim „Supertalent“ vor dem Casting-Pult alle. Dieter Bohlen urteilt mit Adjektiven wie „hammer“ oder „mega-geil“. Und Bruce Darnell kündigt tränenreich eine große Entertainer-Karriere an. Genau das performt der Comedian an diesem Freitagabend im Autohaus Wicke als One-Man-Show. Aus dem Off hört das Publikum, wie die Lebensgeschichte dieser siamesischen Zwillingsbrüder emotional entfächert wird. Wie sie, zusammengewachsen am Poncho, Heilung in einer Änderungsschneiderei finden. Wie dieser Pop-Parvenü aus einem abgelegenen Dorf in den Anden bei einem Weitrotzwettbewerb siegt, um von der Prämie schließlich die Überfahrt nach Deutschland finanzieren zu können. Um jetzt in heimatlicher Tracht auf der Bühne zu stehen und folkloristische Nummern zu spielen.

Musik und zotenreiche Anmoderationen sind die wesentlichen Bausteine von Helmut Sanftenschneider bei diesem Finale der dritten Bochumer Kreativ Rallye. Ein Mix, den der Entertainer seit 2006 bei der Moderation der Comedy- und Kleinkunstshow „NachtSchnittchen“ in verschiedenen Ruhrgebietsstädten gepflegt hat. Immer dabei: seine Gitarre. Und darauf klimpert der studierte Musiker auch an diesem Abend: erst ein bisschen Flamenco, schließlich ein persönliches Ranking der meistgespielten Songs auf Kreuzfahrtschiffen. Sanftenschneider kennt sich da aus, schließlich moderierte er schon so manchen Abend auf der „MS Albatros“, bekannt aus der ARD-Serie „Verrückt nach Meer“.

So persifliert er die einschlägigen Sommer-Hits, um die vermeintlichen Klischees aufs Korn zu nehmen, die UrlauberInnen auf so einem Luxusdampfer erleben. Angefangen bei der pedantischen Pünktlichkeit der Mahlzeiten. Aus Helene Fischers „Atemlos durch die Nacht“ wird „Abendbrot um halb acht.“ Und, wenn es schließlich um ausufernde Busfahrten im Urlaub geht, textet der Comedian auch den Pippi Langstrumpf-Song eigensinnig um: „Hey, Pippi-Pause, Pippi hier, Pippi da, Pippi hoppsala.“  Natürlich zum mitsingen. „Jetzt alle mit Blasenschwäche!“ Denn ohne Interaktion kommt diese Kleinkunstformat nicht aus. Das zelebriert der gebürtige Bochumer gleich zum Auftakt, als er eine so laute Begrüßung einfordert, als zappelten gleich AC/DC auf der Bühne. Um gleich darauf ein Applausbarometer im Publikum abzucheken: Wer ist Single? Wer ist in einer Beziehung? Wer in einer glücklichen? Oder: „Wer ist in einer Beziehung, aber möchte gerne saufen?“

Die Interaktion gehört zum wichtigen Repertoire der Comedy-Front, sie ersetzt oft den Witz. Mal improvisiert, mal inszeniert. Auch wenn Sanftenschneider am Ende nur zwei Herren aus dem Publikum auf die Bühne bittet. Dort mimen sie das Spielen von Instrumenten zu den Songs nach, die aus dem Off ertönen. Mehr nicht. Aber Bruce Dernell und Dieter Bohlen wären sicher begeistert von dieser Show.

Benjamin Trilling

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