Nichts Spektakuläres, alles solide, klassische Kunst, durchweg Malerei auf hohem Niveau, im Übrigen zumeist gegenstandsfrei, für sich erfahrbar und begreifbar: Das Märkische Museum Witten zeigt etwas mehr als 30 Werke aus dem Besitz der Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung. Die Sammlung wird seit 1994 in Herdecke zusammengetragen und konzentriert sich weitgehend auf Künstler:innen aus Westfalen. In diesem Sinne versteht sie sich mit ihren Ankäufen und Ausstellungen auch als regionale Förderung, die etlichen Künstler:innen zur Sichtbarkeit verhilft. Thema aber ist durchweg – wie es zu einem Unternehmen passt, das Farben herstellt – die Farbe selbst: ihre Materialität, ihre unterschiedlichen Möglichkeiten des Auftrags auf den Bildträger und ihr tonaler Reichtum.
Vorgestellt wird die Vielfalt in der gegenstandsfreien Malerei der letzten sechzig Jahre. In einigen der Bilder sind Spuren von Figur oder Natur zuerkennen (z.B. bei Silke Leverkühne) oder man ahnt, wie Gegenständliches bis zur reinen Möglichkeit abstrahiert ist (bei Ulrich Moskopp), doch auch dann entfaltet die Farbe, eingebunden in Formen und Fetzen, eine eigene Qualität. Dann wieder tritt der Farbauftrag in den Vordergrund oder nimmt den Dialog mit dem Bildträger auf. Schon Weiß und Schwarz erweisen sich als Farben mit einem immensen Spektrum an Tönungen und Abstufungen. Dazu gibt es in Witten verschiedene Kunstrichtungen, etwa die Konstruktive Kunst oder die Farbfeldmalerei oder die radikale Malerei. Alles in allem, Farbe wird als ruhendes Zueinander von Flächen, die sich in ihrer Wahrnehmung beeinflussen, und als dynamisches, kaum zu durchschauendes Geschehen, teils mit einer räumlichen Anmutung, vorgestellt.
Im Märkischen Museum Witten macht das Farbe als „Waffe“ des Abstrakten zusätzlich Sinn. Hier hat der damalige Leiter Wolfgang Zemter eine hochkarätige Sammlung zur informellen Malerei in Deutschland zusammengetragen, die zeigt, wie vielschichtig und variantenreich bereits diese Kunstströmung der 1960er/1970er Jahre war. Davon sieht man derzeit aber nichts: Die eigentlichen Sammlungsräume sind für die Sonderausstellung leergeräumt und diese setzt erst in der Zeit danach ein.
Man begegnet Bildern von Künstler:innen wie Günter Umberg und Susanne Stähli, die Farbe in ihrer Monochromie als Essenz und schieres Ereignis vermitteln, und Raimer Jochims und Kuno Gonschior, die Farbe analytisch „punktieren“ und dadurch zu vibrierendem Leben erwecken, und Jan Kolata und Manfred Vogel, bei denen sich organische Formen umschmeicheln, ohne anthropomorph zu wirken. Margareta Hesse und Rita Rohlfing setzen die Farbe und transparentes Glas in Beziehung zueinander, bei anderen Künstler:innen sind die Farben als feste Blöcke im Bildfeld platziert oder sind verschliffen und überlagern sich. Und dann beginnen die Farben zu fließen, zu tanzen und entfalten ihre Leuchtkraft und Wucht – jedes Gemälde ist anders und ein Ereignis für sich.
Abenteuer Farbe | bis 27.9. | Märkisches Museum Witten | 02302 581 25 50
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