Lust auf einen Waldspaziergang? Mal nicht von Baum zu Baum durch heimische Natur, sondern von Bild zu Bild durch den Gasometer – vorbei an ca. 160 Impressionen aus wichtigen, doch mächtig gefährdeten Ökosystemen weltweit. Statt Waldesstille herrscht hier lebhaftes Ausstellungstreiben, Staunen, Schaudern, Kommentieren angesichts von Flora und Fauna als Foto, Film, Fossil und Präparat. Highlight und gut zum Runterkommen ist der digital animierte, 35m hohe Lichtbaum. „Mythos Wald“ beschließt die 2021 gestartete Ausstellungstrilogie über unseren so verletzlichen Planeten. Man kann ziemlich sicher sein, dass auch diese zunächst auf ein Jahr angelegte Schau noch 2027 zur Int. Gartenausstellung im Ruhrgebiet laufen wird. Eine Stellwand mit Gucklöchern auf den „Zukunftswald“ stimmt im Außengelände auf die IGA ein.
Im Gasometer selbst begrüßt das Skelett eines ausgestorbenen Riesenhirschs mit XXL-Geweih die Eintretenden. Von hier aus leitet ein Rundkurs im Uhrzeigersinn zunächst durch den deutschen Wald, repräsentiert von Motiven aus allen „Waldetagen“ preisgekrönter Film- und Fotoprofis: von der wilden Verfolgungsjagd von Habicht und Eichelhäher durch Baumwipfel bis zu gestochen scharfen Aufnahmen von mikroskopisch kleinen Bodenbewohnern. In den Großformaten in hoher Auflösung kann man sich regelrecht verlieren: Mit Schleimpilz, Kugelspringer und Bärtierchen könnten Hallenwände tapeziert werden! In der 1. Etage, die sich internationalen Waldgebieten widmet, hängen neben Eyecatchern zum Schmunzeln auch etliche Schocker rund um Wilderei, Abholzung, Umweltfrevel und Klimawandel. Ein Einzelfoto deckt selten die Hintergründe auf; dies leisten die flotten Erläuterungstexte neben jedem Bild: beschreibend, ohne moralische Wertung – das ist gelungen und berührt nachhaltig.
Entspannung bietet in der oberen Ebene die gigantische Baumskulptur aus farbig animierten LED-Strängen, die von den Wurzeln bis hoch zum Wipfel die „Lebensadern“ im Jahreszeitenwechsel zu meditativen Klängen visualisieren. Den Kontrapunkt zur visuellen Bilderflut setzt der Klangraum im Erdgeschoss, der tierische Sonnenaufgangsgesänge aus allen Kontinenten verbindet – von der Müritz bis nach Afrika. Zum Abschied begrüßt eine Tüpfelhyäne den neuen Morgen.
Mythos Wald | bis 30.12. | Gasometer Oberhausen | 0208 212 95
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