Essen in Gemeinschaft verbindet als eine Art sozialer Kleister, weltweit und zu allen Zeiten. Die Geschichte der Esskulturen – was für ein schönesAusstellungssujet! Wer im LWL-Museum in Herne nun eine opulente Schau erwartet, reich gedeckte Tafeln, die Entwicklung gewisser Riten chronologisch wohlsortiert, steht stattdessen vor einem Potpourri aus Einzelexponaten inmitten fast improvisiert wirkender, spärlich bestückter Regalsysteme. Infos zu Objekten und Hintergründen muss man sich, mit „Speisekarten“ bewaffnet, beim Durchgang fortwährend anlesen. Die Präsentation zickzackt in sechs Kapiteln durch Zeiten und Räume, aber entwickelt in der Anschauung keine Sogkraft. Dabei hat das Kuratorenteam über 300 eindrucksvolle Exponate ausgewählt und in der Halle sortiert verteilt. Los geht es mit „Regeln und Normen“, die die gemeinsame Nahrungsaufnahme strukturieren. Hier ein Film über georgische Tischsitten, da Ausschnitte aus Loriot-Sketchen, dort römisches Geschirr und Mobiliar neben Benimmbüchern wie Knigge und Struwwelpeter und einer exquisiten griechischen Trinkschale mit Motiven eines eskalierenden Symposions. Um Machtstrukturen geht es auch und um den Wandel des Frauenbildes. Markant das Blümchengeschirr, mit dem die Fußball-Nationalmannschaft der Frauen noch 1989 für ihren EM-Sieg abgespeist wurde.
So geht es weiter: durch die Bereiche „Besondere Anlässe“, „Trinkkulturen“, „Feine Unterschiede“, ein Kapitel Geschirrdesign – und zum Abschluss Jörg Ströbels Ölgemälde „Das Mahl“ (2018), frei nach da Vinci, das unterschiedliche Esstypen der Jetztzeit versammelt. Auf dem Weg dahin konnte man Originelles belächeln, etwa das Kaffeeschnüffler-Diorama oder die Eberkopfterrine, Quizstationen und VR-Brille testen, ein Wimmelbild absuchen und Videos über Teezeremonien anschauen. Oder die Doku über deutsche Feste, auf denen vor allem feste getrunken wird. Ein Blickfang ist fraglos der knallbunte mexikanische Totenaltar, der jährlich mit dem Duft oranger Tagetesblüten die Seelen toter Ahnen anlockt. Hier sind die Blumen aus Papier. Als ästhetisches Gesamterlebnis kann die Ausstellung nicht wirklich überzeugen: viel Freiraum und Beliebigkeit. Geselligkeit könnte auch hier die Lösung sein: gemeinsam vorbeischauen und sich geführt die besten Essgeschichten erzählen lassen.
Mahlzeit! Wie Essen uns verbindet | bis 13.9. | LWL-Museum für Archäologie und Kultur, Herne | 02323 94 62 80
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