In der ostdeutschen Künstlergeneration der 1980er Jahre, den Kindern der Wendezeit, ist die DDR noch recht präsent. Im Museum unter Tage verarbeiten zehn Künstlerinnen und Künstler mit unverklärtem Blick und unterschiedlichen Techniken ihr ganz persönliches sozialistisches Erbe. So richtig „alright“ fühlt es sich für sie auch 35 Jahre später noch nicht an, meint der Titel der facettenreichen Schau. Erhellend für ahnungslose Wessis, berührend, erheiternd, teils auch verstörend – und mit Parallelen zum Strukturwandel im Ruhrgebiet. Konzipiert wurde die Ausstellung 2024 von der Kommunalen Galerie Alte Schule Adlershof im Berliner Osten und nun gemeinsam mit dem Kunsthistorischen Institut der RUB für die Region um drei Positionen und erläuternde Wandtexte erweitert.
Das Intro zum Aufwärmen bildet eine TV-Doku von 1990 mit Sechstklässlern aus Schulen in West und Ost, die ihre Wünsche an die deutsche Wiedervereinigung äußern. Künstlerisch startet die Schau mit klassischer Stilllebenmalerei: akademisch ins Kleinformat gesetzte Ostprodukte wie ein ATA-Karton oder ein Standard-DDR-Schlüssel von Oskar Schmidt (Jg. 1977). Und gut kontrastiert mit der fünften Staffel der flotten Animationsserie „Robotron“ der Dresdnerin Nadja Buttendorf (geb. 1984) über das legendäre DDR-Computerwerk. Mit viel Witz offenbaren die Episoden und Werkzeitungstexte den kapitalistischen Kulturschock. Neben Buttendorfs Video steht David Polzins (Jg. 1982) eingefrorenes Jugendzimmer als Rauminstallation. In die angedeuteten Wände hat er persönliche Dinge wie Reliquien sichtbar eingemauert, u. a. die Bastelantenne zum Westfernseh-Empfang.
Eindrucksvoll sind ebenfalls Eric Meiers sensible S-W-Porträts von Suchtklinikpatienten, Verlierer der Wende; auch der Vater des Fotokünstlers gehört zu ihnen. Stasi-Akten und Widerstand werden behandelt. Sandmännchen und anderes DDR-Spielzeug stecken in Plastiksäcken, luftdicht verschweißt von Minh Duc Pham. Manuel Sékou, ebenfalls Jg. 1991 und Sohn ausländischer Vertragsarbeiter, präsentiert assoziative Social-Media-Schnipsel aus seiner Dresdener Techno-Clubkultur-Jugend. Florian Kunerts Film über die Begegnung junger Syrer 2015 mit ehemaligen Arbeitern eines zur Wendezeit abgewickelten Werks mit syrischer Dependenz zeigt, wie Annäherung möglich ist, in Ost und West.
Die Kids sind nicht alright! | bis 13.9. | Museum unter Tage / Situation Kunst, Bochum | 0234 322 85 23
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