Drinnen draußen. Oben unten. Körper und die sie umschließenden Räume zusammen in einem neuen Raum. Man könnte meinen, dass Erich Reusch die Physik multipler Universen im Inneren und Äußeren manifestiert hat – mit Kunst. Viele im Ruhrgebiet haben schon in oder an seinen Arbeiten gesessen, gegessen, geraucht, geschwitzt. Der leider nicht mehr intakte Forumsbrunnen (1973) an der Bochumer Ruhruniversität ist so ein typisches Reusch-Betonrelief. Einst floss hier das Wasser unmerklich zwischen den Sitzen hindurch, ohne Fontäne wurde das in den 1970ern kaum wahrgenommen. Nicht besser erging es anfangs den „Nassen Augen“ (1980), ebenerdigen kreisrunden Flächen mit Granit gepflastert. Das Wasser sprudelte in der Mitte. Einst sollten sie aus Bronze sein, doch die Stadt hatte ja gerade (1977) das „Terminal“ von Richard Serra gekauft.
Noch bis Ende Oktober zeigt das Bochumer Museum unter Tage eine kleine Retrospektive seiner Reliefs und Bilder von 1951 bis 2019, die recht chronologisch aufgebaut ist und deshalb auch formal vom Schwarzweißen in die Farbe führt, mit kleinen Ausnahmen versteht sich. An den Vorbereitungen zu „Erich Reusch: grenzenlos“ konnte der 1925 in Wittenberg geborene Künstler noch mitarbeiten. Er starb leider im Dezember des vergangenen Jahres und so wurde es auch eine Gedenkausstellung eines Künstlers, der einige stählerne Spuren in Bochum hinterlassen und an der denkwürdigen documenta 6 (1977) von Manfred Schneckenburger teilgenommen hat.
Auch im Park des Museums stehen installierte Stahlsäulen und -winkel. Unten geht es los mit einem Wandobjekt (o. T., 1988), das fast kinetische Momente hat, daneben schwarz-weiße Kohle- und Tuschezeichnungen. Alles scheint irgendwie vermessen, der Erfinder der dezentralen Skulptur strukturiert den Raum im Raum durch Bewegung und Dynamik, insbesondere mit seinen „Elektrostatischen Objekten“ (Plexiglas, Gasruß, um 1970). Der Innenraum der durchscheinenden Plexiglaskästen wurde durch die durch elektrostatische Aufladung wandernden Rußpartikel sichtbar. Einst durfte der Betrachter diese Partikel sogar durch Reibung beeinflussen. Am Ende des Rundgangs leuchten die bunten Skulpturen, Segmente und Bilder, die alle im letzten Jahrzehnt entstanden sind.
Erich Reusch: grenzenlos | bis 25.10. | Situation Kunst, Museum unter Tage, Bochum | 0234 322 85 23
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