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„Baracke“
Foto: Thomas Aurin

Soll das Werk den Meister loben

30. April 2024

49. Mülheimer Theatertage – Prolog 05/24

Alle Jahre wieder pokern bei den Mülheimer Theatertagen deutschsprachige Stücke des vergangenen Jahres um den Mülheimer Dramatiker:innenpreis (15.000 Euro). Schon seit 1976 werden die „Stücke“ und die „KinderStücke“ in der Stadthalle, im Theater an der Ruhr und im Ringlokschuppen Ruhr gezeigt. Sieben Inszenierungen sind es in diesem Jahr, meist Uraufführungen nach den Texten der Autor:innen. 

Gestartet wird in diesem Jahr mit dem neuen Drama von Rainald Goetz. Der Büchner-Preisträger beschäftigt sich in „Baracke“ sehr zeitgenössisch mit Deutschland, mit der (schein-) heiligen Familie, mit dem Terror des NSU und einem Kassenzettel. Das Land und die schwelende Konflikte darin schweben eigentlich immer über neuer Dramatik. Hinzu kommen jetzt eine aufmüpfige junge Generation und die aufgehende Schere zwischen Arm und Reich, was die rechtsnationale Doofheit befördert. Falk Richter sieht darin noch ein Hintergrundrauschen aus der Nachkriegszeit. In „The Silence“ geht er zurück in die eigene Familiengeschichte: Da geht es um den Mief der westdeutschen Provinz, um Homophobie und die Traumata des Krieges, aber auch um die Vorstellung einer positiven Zukunft.

Eher ums Heute geht es in Felicia Zellers neuem, auf Interviews beruhendem Stück „Antrag auf größtmögliche Entfernung von Gewalt“, in dem Frauen mit einer eigenen Kunstsprache und viel Verve auch um verlorenes Lebensglück kämpfen. Den heute ungebrochenen Fortschrittsglauben angesichts der drohenden Katastrophen hat der österreichische Dramatiker Thomas Köck in die Geschichte um den ollen Vatermörder Ödipus gepackt: In „forecast:ödipus“, seiner Bewerbung um den fetten Mülheimer Theaterpokal, stellt er die Frage nach der Handlungsunfähigkeit des Einzelnen. Dazu passend Roland Schimmelpfennigs Stück „Laios“, das sich um das Mordopfer von König Ödipus sowie Machtstrukturen und ihre Moral zwischen Damals und Heute dreht. Dazu sind noch „Juices“ von Ewe Benbenek und „Nora oder Wie man das Herrenhaus kompostiert“ von Sivan Ben Yishai im Rennen.

49. Mülheimer Theatertage | 4. - 25.5. | Mülheim a.d. Ruhr | 0208 455 41 14

Peter Ortmann

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