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Will Eisners Arbeiten waren oft selbstreferentiell
Abbildung aus dem Katalog

Superheld ohne Superkräfte

05. Mai 2021

„Will Eisner – Godfather of Graphic Novel“ in Dortmund – Kunst 04/21

Der „Schauraum – Comic und Cartoon“ in Dortmund würdigt mit „Will Eisner – Godfather of Graphic Novel“ in der überhaupt ersten großen monografischen Ausstellung in Deutschland den bedeutenden Comic-Künstler Will Eisner. Die Ausstellung konnte wegen der Pandemie im Januar nicht eröffnen. Im März war ein Besuch dann nach vorheriger Anmeldung möglich, die aktuelle Lage ändert sich gerade täglich. Seit Februar ist es aber möglich, die Ausstellung als digitalen 360-Grad-Rundgang im Internet zu erkunden. Dort sieht man ein paar lebensgroße, auf Karton aufgezogene Figuren aus den Universen von Will Eisners Geschichten, darunter natürlich der Schurken-Jäger „The Spirit“, der sicherlich Eisners bekannteste Figur ist.

Fast im Alleingang

Der Sohn einer zu Beginn des ersten Weltkriegs nach New York emigrierten Familie hat schon früh im Comicgeschäft Fuß fassen können. Mit dem großstädtischen Ganovenjäger „The Spirit“, erfunden Ende der 30er Jahre, im Zeitalter der Superhelden, aber ohne Superkräfte, konnte er sich eine Fangemeinde, aber vor allem eine Firma aufbauen, die regelmäßig zahlreiche amerikanische Zeitungen mit Material versorgte. Schon damals konnte man die Ernsthaftigkeit erkennen, mit denen der jüdische Zeichner gesellschaftliche Themen in seine Arbeit integrierte. Und auch, wie er mit den Möglichkeiten des Mediums spielte, oft selbstreferentiell. Doch nachdem der Erfolg Anfang der 50er Jahre abflaute, widmete sich Will Eisner anderen Betätigungsfeldern und illustrierte vor allem zu Gebrauchszwecken. Erst als ihn die 68er-Generation mit ihren kompromisslosen Underground-Comix wiederentdeckte, wurden Eisners eigene kreative Geister wieder geweckt. Fast im Alleingang entwickelte er Comics im Langformat, in denen er vom Alltag der Großstadtmenschen, von der jüdischen Kultur und dem Antisemitismus und autobiografischen Themen erzählte. Und nebenbei entwickelte er im hohen Alter in den 80er Jahren als Nebeneffekt seiner Lehrtätigkeit auch noch eine Theorie des Comics.

Blick in den Ausstellungsraum, Foto: Alexander Braun / Schauraum

Das alles erzählt einem die Ausstellung im Schauraum in Dortmund mit vielen erzählt einem die Ausstellung im Schauraum in Dortmund mit vielen Originalzeichnungen, Druckwerken und anderen Exponaten aus Eisners Leben und Werk. Mit Texttafeln wird das Material eingeordnet. Eine Schwachtelle der digitalen Ausstellung ist die unbefriedigende Auflösung der Originalzeichnungen, die nur verpixelt zu sehen sind. Hier kann ein Blick in den Katalog zur Ausstellung Abhilfe schaffen. Neben dem Abdruck der Originalseiten aus der Ausstellung findet sich hier ein akribisch recherchierter Text, wie man es von Alexander Brauns Arbeit gewohnt ist. Neben biografischen Aspekten und natürlich einer intensiven Auseinandersetzung mit Will Eisners Werk erfährt man vieles zur amerikanischen Comicgeschichte – von den frühen Zeitungsstrips über die Comichefte bis zu den Underground-Comix der 60er und 70er Jahre und schließlich den Entwicklungen hin zur Graphic Novel, wie man sie beute kennt. Ein unverzichtbarer Band für Comic-Aficionados und ein toller Einstieg für Interessierte.

Katalog: Alexander Braun: „Will Eisner – Godfather of Graphic Novel“, Avant Verlag.

Ausstellung: Will Eisner – Godfather of Graphic Novel | bis 27.6. | digitaler 360-Grad-Rundgang | Schauraum Dortmund

Christian Meyer-Pröpstl

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