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Heinrich Siepmann, In der Industrie, 1957, Gouache, Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr
© VG Bild-Kunst, Bonn

Thema in Variation

25. Januar 2018

Heinrich Siepmann in Mülheim – Ruhrkunst 02/18

Es ist ja kurios. Gemeinhin wird Heinrich Siepmann zu den konkret-konstruktiven Künstlern gezählt, aber er hat zur strengeren Ausprägung dieser Stilrichtung erst im Alter gefunden. Nur, er wurde wirklich alt und hat bis ins hohe Alter gemalt, gezeichnet und collagiert. Er ist 2002 in Mülheim gestorben, wo er auch 1904 geboren wurde, und so liegen seine freieren, abstrakten Werkphasen schon Jahrzehnte zurück. Sie bilden jetzt den Schwerpunkt der Ausstellung im Mülheimer Kunstmuseum in der Alten Post, die vor allem von seiner künstlerischen Herkunft ausgeht.

Heinrich Siepmann war Gründungsmitglied der Gruppe „junger westen“, die sich 1947 in Recklinghausen konstituiert hatte, in ganz Deutschland bekannt wurde und der u.a. Ernst Hermanns und Emil Schumacher angehörten. Im „jungen westen“ wurden die internationale Avantgarde und die Überwindung hergebrachter Kunststile diskutiert. Dies fließt direkt ein in Siepmanns Arbeit. Er, der nach dem Krieg mit gegenständlichen Stillleben beginnt, reflektiert die gestisch informelle Malerei und den abstrakten Expressionismus. Zudem ist er vom Ruhrgebiet mit seinen kantig geometrischen Industrieanlagen im erdigen Ton beeindruckt. Siepmann legt in seinen Bildern einen sparsam bunten Farb-Teppich an, in und vor den sich Balken und Striche mitunter wie Gitter schieben. Dann wieder teilen Linien den unruhig flackernden Farbgrund so, dass das Bild wie ein tektonisches Gerüst aus Gesteinsschichten wirkt. Die Farben sind zurückhaltend, und das bleibt auch so in den späten Bildern seit den 70er Jahren, die mit ihren langgestreckten Geraden und Schrägen aber deutlich formeller werden. Zeitweilig integriert er Scheiben in das Geschehen, die doch wieder Anklänge an die Industrie zulassen. Aber auch jetzt sind die Farben locker, flockig aufgetragen, ist die Oberfläche mitunter aufgeraut, dadurch wirken die Bilder leicht und spielerisch – auch das ist in Mülheim zu sehen. Wie schön, dass dieses Werk nun wieder in seiner Heimatstadt ausgestellt ist.

Heinrich Siepmann | 28.1.-15.4. | Kunstmuseum Mülheim a.d. Ruhr | 0208 455 41 34

THOMAS HIRSCH

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