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Max Kaus, Liegende Frau mit Katze, Brücke-Museum Berlin, Dauerleihgabe aus Privatbesitz
© VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: Roland März

Die nächste Generation

30. November 2017

Expressionismus in Mülheim – Ruhrkunst 12/17

Der Erste Weltkrieg war vorbei, die Künstler, die ihn überwiegend an der Front erlebt hatten, kehrten ernüchtert heim, gealtert und längst nicht mehr an den rauschhaften Erlebnissen der Vorkriegszeit interessiert. Die Avantgarde fand nun woanders statt und führte in den 1920er-Jahren in Mitteleuropa zu einem weiten Spektrum an Stilen, die noch auf die (einstigen) Expressionisten einwirkten. Das ist der Kontext der Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken, die derzeit im Kunstmuseum Mülheim in der Alten Post zu sehen sind.

Von fünfzehn Künstlerinnen und Künstlern sind Werke der 1920er und 1930er Jahre ausgestellt, die sich dem deutschen Expressionismus in seiner Spätphase zuordnen lassen. Dazu gehören die Mitbegründer dieser Richtung, die „Brücke“-Künstler, die sich, in der Gesellschaft inzwischen hoch angesehen, nunmehr dem unmittelbaren Lebensumfeld zuwandten. Vor allem Erich Heckel ist in der Ausstellung umfassend vertreten. Heckel war während des Ersten Weltkrieges in Flandern stationiert, in einer Sanitätskompanie mit Otto Herbig, Max Kaus und Anton Kerschbaumer, deren Werke ebenfalls ausgestellt sind. Gezeigt wird dazu in Mülheim ein Bild, das Heckel auf seinem ersten Nachkriegs-Aufenthalt in Flandern, und zwar in Gent, gemalt hat: In der Sachlichkeit der Stadtansicht trägt es noch den gewandelten, geerdeten Blick auf die Welt in sich. Die Ausstellung in den beiden Sälen im Erdgeschoss des Museums verdeutlicht, dass die Künstler nun vor allem die eigene häusliche Zurückgezogenheit, das Landleben, aber auch das Schicksal der Arbeiterschaft festhalten. Die Akte – für die die eigenen Frauen Modell standen – posieren oder baden in der Natur. Die Körper sind nicht mehr kantig und gelängt. Die Frauen tanzen kaum noch,  sie liegen im Bett in der eigenen Wohnung. Dazu tritt mitunter eine fast symbolistische Aufladung der Natur, wodurch der Künstler zum introvertierten Beobachter wird. Gerade aus der Zusammenstellung der Bilder in der Ausstellung, ergeben sich weitere Erkenntnisse. Dass wir dabei vergessenen Künstlern zum ersten Mal begegnen: umso besser.

Fern der großen Städte – Expressionismus der 1920er-Jahre | bis 14.1. | Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr | 0208 455 41 38

THOMAS HIRSCH

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