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Werner Gilles, Die Heiligen drei Könige, 1948, Öl/Lw, 33 x 45 cm, Kunstmuseum Mülheim, © Nachlass W. Gilles
Foto: Alexander Voß

Die ersten Jahre

29. Oktober 2015

Kunst nach 1945 in Mülheim – RuhrKunst 11/15

1945 war der Zweite Weltkrieg endlich zu Ende. Deutschland lag in Trümmern. Für die Kulturschaffenden setzte eine Zeit der Orientierung ein. Der pathetische Realismus des Dritten Reiches war natürlich inakzeptabel. Herausragende Künstler waren emigriert, andere hatten in der inneren Emigration weitergearbeitet, aber der Anschluss an das internationale Kunstgeschehen musste sich erst wieder entwickeln. In diesen Jahren war der kalte Krieg zwischen West und Ost noch nicht ausgebrochen, und in der Kunst selbst sollte es erst später zu einem Richtungsstreit zwischen Realismus und Abstraktion kommen. Das Kunstmuseum Mülheim untersucht nun anhand der Malerei, wie sich die Künstler im Deutschland der Jahre 1945 bis 1949 zurechtfanden, wie sie an frühere Stile anschlossen, mit diesen brachen und vorsichtig das Fundament für ihre künftige avantgardistische Kunstausübung legten.

Die Ausstellung stellt Künstler (schon damals) unterschiedlicher Bekanntheit und verschiedener Generationen vor. Der älteste wurde 1876 geboren (Emil Nolde), der jüngste 1920 (Constant). Die gegenständliche Figur, eingefangen in einer räumlichen Konstruktion und dabei mitunter dem Surrealismus zuzuordnen, steht gleichberechtigt neben gegenstandsfreien Kompositionen, etwa mittels der expressiven Geste, welche die spätere tachistische und informelle Kunst vorbereitet. Bauhaus und Abstraction-Création lassen noch grüßen, etwa bei Jean Leppien. Spannend sind vor allem die tastenden Versuche Richtung Abstraktion, wie bei Hann Trier. Auch sind realistische Malereien solcher Künstler zu sehen, die schon bald gegenstandsfrei arbeiten sollten, wie der Mülheimer Heinrich Siepmann. Die Ausstellung präsentiert die Künstler mit mehreren Gemälden und kann doch bei der Fülle an Künstlern lediglich exemplarisch vorgehen; sie konzentriert sich infolgedessen weitgehend auf das Ruhrgebiet. 70 Jahre nach Kriegsende sensibilisiert sie für die damalige Situation, und sie ruft erfreulicherweise einige völlig vergessene Künstler wieder ins Gedächtnis. Vielleicht ist das die größte Leistung der Mülheimer Ausstellung. 

„Befreite Moderne“ | bis 10.1.16 | Kunstmuseum Mülheim | 0208 455 41 38

Thomas Hirsch

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