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Carolin Kebekus
Foto: Axl Klein

Jenseits der Herrenwitz-Hegemonie

04. März 2020

Gleichberechtigung durch Kabarett? Kebekus und Co. machen es vor – Komikzentrum 03/20

Witze verraten Unbewusstes über unsere Gesellschaft: Tabus, Obszönes – irgendwie Verdrängtes, über das sich nach der Pointe befreit lachen lässt. So erklärte das zumindest Sigmund Freud in einem seiner schlauen Texte. Doch erscheint dieser Zigarren rauchende Seelenentzifferer heutzutage nicht auch wie ein verstaubter Herrenwitz? Genauso wie die Anfänge der Psychoanalyse ist die Zotenreißerbranche der vergangenen Jahrzehnte vor allem eins: männlich dominiert.

Doch es gibt eine Ausnahmeerscheinung, die diese Herrenwitz-Hegemonie einreißt. Carolin Kebekus poltert und pöbelt entlang der Gürtellinie, um mit leicht verdaulichem Humor eine Gleichberechtigung der Geschlechter einzufordern. Scham vor der Menstruation, schmerzhafte Intimhaarentfernungen, irrationaler Schönheitswahn, unterwürfige Sexstellungen im Bett – Kebekus krempelt alles um und liefert Gags aus weiblicher Perspektive. Derbe und autoritär-militant. Denn bei ihrem letzten Auftritt ihrer „Pussy Nation“-Tournee in der Essener Gruga trug die Entertainerin einen olivgrünen Hosenanzug. Und kokettierte mit einer gewissen (oder besser: unbewussten?) Männerangst vor der Gleichberechtigung. Kebekus beschwichtigte. Niemand hat die Absicht, eine feministische Diktatur auszurufen. Oder doch? Verraten wird das ihr nächster Auftritt in Bochum.

Im Fahrwasser von Kebekus‘ Erfolg trauen sich immer mehr Komikerinnen auf die Bühne. Zu diesen vielversprechenden Stand-Up-Comediennes zählt Helene Bockhorst. Seit 2018 tingelt sie mit ihrem Soloprogramm durchs Land. Der Titel: „Die fabelhafte Welt der Therapie“. Natürlich nimmt Bockhorst darin die Stolpermeilensteine der Generation Y mit: psychische wie soziale Auffälligkeiten, Online-Dating und das, was so auf dem Therapie-Sofa ausgeplaudert wird. Also, doch alles ein Witz mit dieser Freud-Psycho-Unbewusstes-Geschichte?

Ein klassischer Herrenwitz beginnt übrigens so: „Treffen sich zwei Männer inne Kneipe, sacht der eine…“ Hier kamen jedenfalls zum „Tresenlesen“ – so der Titel ihrer Reihe – zwei Urgesteine des Ruhrpotts zusammen: Frank Goosen und Jochen Malmsheimer. Bekanntlich gehen mittlerweile beide ihre eigenen, erfolgreichen Wege, so auch Malmsheimer. Sein aktuelles Soloprogramm dreht sich um existenziell-profane Fragen wie etwa das Älterwerden von Männern.

Carolin Kebekus:13.3. 20 Uhr im RuhrCongress Bochum | Helene Bockhorst: 21.3. 20 Uhr im Ringlokschuppen Ruhr | Jochen Malmsheimer: 7.3. 20 Uhr im Kurhaus Bad Hamm

Benjamin Trilling

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