Der Wolf im Schafspelz 1
Nun war der Winter bisher milde wie die Theatersaison im Ruhrgebiet. Nur ab und an ein paar Abende, die nicht als überflüssig zu werten wären und meist waren es die kleinen Formate, die mir gefielen. Und das ist beileibe kein Alleinstellungsmerkmal der Metropolregion Rhein/Ruhr, das zieht sich durch die ganze Republik, die Volksbühne in Berlin mal ausgenommen. Blicken wir nach vorne, ins altehrwürdige Schauspielhaus, wo jemand nach einer längeren Dienstreise nach Hause kommt und seine Frau sich gar nicht freut, denn sie behauptet, dass er doch gestern Abend schon da gewesen sei und man gemeinsam eine heftige Liebesnacht verbracht habe. So geschehen bei Heinrich von Kleist, der Jupiter statt „Amphitryon“ ins Schlafgemach der Fürstin Alkmene schickte und damit gar köstliche Verwirrung stiftete. Gern erinnern sich Insider-Ruhries da an den noch recht jungen Joachim Król als Amphitryons Diener Sosias, aber sicher auch an eine Möhre. Lisa Nielebock führt diesmal die Regie an diesem bittersüßen Abend der großen boshaften Götterverblendung.
Der Wolf im Schafspelz 2
Das Märchenmassaker mit Live-Musik dürfte im März in Dortmund eine großartige Alternative, besser Zusatzveranstaltung, sein. Regisseurin Claudia Bauer und der Musikalische Leiter des Schauspiel Dortmund Paul Wallfisch rufen gemeinsam mit dem Schauspielensemble die „Republik der Wölfe“ aus – und katapultieren Dornröschen, Aschenputtel und Rotkäppchen in einer großen Collage in unsere urbane Gegenwart. Live auf der Bühne: Alexander Hacke von den Einstürzenden Neubauten, Multiinstrumentalist Mick Harvey (Mitbegründer von Nick Cave and The Bad Seeds), sowie die Mitbegründerin der Loveparade, Danielle de Picciotto. Für den Soundtrack, der auch als Album in einer limitierten Sonderausgabe erscheinen wird, dienen die Verwandlungen (engl. Transformations) der großen amerikanischen Dichterin Anne Sexton (1928-1974) als Inspirationsquelle und Text-Steinbruch. In ihrem berühmten Werk hat Anne Sexton 1971 siebzehn der Grimm-Märchen in atemberaubend dichter Weise neu erzählt. Auch wenn man es glauben könnte, das Massaker ist nix für Kinder.
Der Wolf im Schafspelz 3
Die gehören in diesem Monat, quasi als Ausgleich, nach Essen in „Ein Schaf fürs Leben“ (ist ja auch was mit Tieren). Das ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft. Wenn hungriger Wolf und naives Schaf aufeinandertreffen, wird der angeborene Instinkt des knurrenden Magens schon mal auf eine harte Probe gestellt. Beeindruckend ist auch der unbedarfte Optimismus des Schafs, das mit dem bösen Wolf eine lustige Schlittenfahrt machen will, während der an nichts anderes als Schafsbraten denken kann. Die niederländische Autorin Maritgen Matter schildert auf humorvolle und anrührende Weise die Annäherung des ungleichen Paares, das Grenzen sprengt, indem es sie akzeptiert.
Amphitryon | Premiere: 16. März 2014 | Kammerspiele Bochum | Infos: 0234-33 33 55 55
Republik der Wölfe | Premiere:Sa,15.Februar2014 | Theater Dortmund | Infos:0231-5 02 72 22
Ein Schaf fürs Leben | Premiere 27. Februar 2014 | Essener Box | Infos: 0201-8 12 26 00
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