Der Launch ist generalstabsmäßig durchgeplant. Die Vorfelder wurden gut gesichert. Sprachlich wie inhaltlich. Niemand hat die Absicht eine Logik zu durchbrechen. Und die ist einfach: Im Vorfeld wird zurückgeschossen. Das Favoriten-Festival der frei produzierenden darstellenden Künste in Nordrhein-Westfalen hat fürs Editorial ein einfaches Motto: „Prolog gegen Rechts“. „Wenn keiner sie ergründen mag; die unbegreiflich hohen Werke, sind herrlich wie am ersten Tag.“ Nun, so weit wollen wir den Prolog dann auch nicht treiben. Der Himmel ist weit.
Alle zwei Jahre lädt die freie Szene nach Dortmund ein, um ästhetisch innovative Arbeiten, Fragestellungen und Ausdrucksformen zu diskutieren. Und weil das Rufen nach kulturellen Leitbildern immer lauter wird und fixe Kruxis im Süden schon überhandnehmen, interessiert sich das Vorbereitungsteam schon jetzt und nicht erst im Spätsommer für künstlerische Strategien, die sich identitären und nationalen Tendenzen früh genug entgegenstellen wollen. Ich zitiere mal keck: „Wir möchten jenen künstlerischen Positionen Gehör verschaffen und Raum geben, die alternative Wahrnehmungsmuster zeichnen und hegemoniale Logiken durchkreuzen, unversöhnt bleiben mit den Identifizierungsmechanismen und repressiven Tendenzen der Gegenwart.“
Also eröffnet das Theaterfestival mit „Space“ vorab ein gemeinschaftliches digitales Labor und Online-Magazin an der Schnittstelle von Kunst, Performance und Digitalem. Bildende und darstellende KünstlerInnen haben sich dafür bewerben können, sich in einem digitalen Raum mit Poesie, Plädoyer, Essay und Video zu äußern, darunter die visuelle Künstlerin Momo Pixel aus den USA, das Autorenkollektiv um Gerhild Steinbuch, Jörg Albrecht, Sandra Gugić, Thomas Arzt und Thomas Köck, sowie das Tribunal „NSU-Komplex auflösen“ mit Ulf Aminde, Carolin Emcke und Elif Kubaşık, heißt de facto: Zwischen Juni und August gibt´s acht bezahlte Residenzen im digitalen Raum. Ihr Ziel ist es, mit der Gesellschaft unversöhnt zu bleiben und vielleicht auch die Deutungshoheit deutscher Sprache zu verteidigen. Und natürlich als Vorbote fungieren für das Festival im September.
Space | aktuelle Ausgabe: Prolog gegen Rechts | www.favoriten-festival.de
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Künstlerisches (Ver-)Lernen
Das Favoriten Festival 2024 in Dortmund – Prolog 08/24
Spukende Cyborgs
„Revenants“ beim Favoriten Festival in Dortmund – Bühne 09/22
„Fabulieren, was möglich sein könnte“
Anne Mahlow über das Dortmunder Favoriten Festival – Premiere 08/22
Die Hexenjäger aus der Zukunft
Ursina Tossis Performance „Witches“ in Dortmund – Festival 09/20
Schlafen, streiken, kanakisieren
Favoriten Festival in Dortmund – Festival 09/20
Verhexte Arbeitswelt
Favoriten Festival in Dortmund – Festival 09/20
Das Glück der Erwerbstätigkeit
Das 35. Theaterfestival Favoriten in Dortmund – Prolog 07/20
Langeweile mit der eigenen Stimme
„Voicing Pieces“ von Begüm Erciyas bei den Favoriten 2018 – Bühne 09/18
Positionen beziehen
Favoriten-Festival in Dortmund und Bochum – Bühne 09/18
Die Provokation mit dem Boden
„tchǎʼ . sol . Boden“ am 19.8. im Union Gewerbehof, Dortmund – Bühne 08/18
„Arbeiten, die nur in der Freien Szene hätten entstehen können“
Fanti Baum und Olivia Ebert über fav18 – Performance 08/18
Der Wandel als Konstante
Favoriten vom 6. bis 16. September in Dortmund
Foto-Love-Story
„Made for Love“ von Monster Truck am 7.10. im Ringlokschuppen Mülheim – Bühne 10/16
Auf den Brettern des Alltags
Theaterfestival Favoriten endete am 2.10. – Bühne 10/16
Festival-Dämmerung und erste Premieren
Bühnen-Vorschau (1.10 bis 7.10.): Favoriten, Schauspielhaus Bochum, Grillo Essen
Ein Jahr lang gute Taten reichen nicht
„Die kleine Hexe“ beim Düsseldorfer Sommertheater im Park – Prolog 06/26
Freiheit, Krieg, Einsamkeit
„Ptah VI“ am Essener Aaalto Theater – Tanz an der Ruhr 06/26
Freiheit gegen Tyrannei
„Die Räuber“ am Bochumer Schauspielhaus – Prolog 06/26
„Die Szene ist noch sehr lebendig“
Leiterin Franziska Werner über das Impulse Festival 2026 in NRW – Premiere 06/26
Schrecken aus Eis und Finsternis
Fidena in Bochum: Marionetten aus Eis gleiten auf Virginia Woolfs Wellen – Bühne 05/26
Die Umschulung des Übels
„Adams Äpfel“ am Moerser Schlosstheater – Prolog 05/26
Der Tod am Anfang
„Radio and Juliet“ am Theater Dortmund – Tanz an der Ruhr 05/26
„Ich habe mich ausgetobt in verschiedenen Genres“
Komponist Samuel Penderbayne über „Die verzauberte Stadt“ am Aalto-Theater Essen – Interview 05/26
Abstieg in die Fleischerei
„Faulender Mond“ am Essener Grillo-Theater – Prolog 05/26
„Kunst kann helfen, auf die Welt zu reagieren“
Intendant Olaf Kröck über die Ruhrfestspiele Recklinghausen 2026 – Premiere 05/26