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„Die Glasmenagerie“
Foto: Redehammer

Abenteuer für jedermann

27. Mai 2016

„Die Glasmenagerie“ im Bochumer Rott5-Theater – Theater Ruhr 06/16

Ein ärmlicher Küchentisch, vier Campingstühle, ein Fass als Ablage. Das ist die höhlenartige Welt der Wingfields in St Louis, ab und an donnert der Zug über sie zum Bahnhof. Das Depri-Stück „Die Glasmenagerie“ von Tennessee Williams ist also gut aufgehoben im kleinen Theater an der Bochumer Rottstr. 5. Hier erzählt Tom Wingfield die Geschichte seiner Familie. Es ist „Ein Spiel der Erinnerungen“ auch Untertitel der Urfassung. Alexander Ritter ist dieser Tom und er muss zwischen Erzähler und Protagonist, zwischen Vergangenheit und Gegenwart switchen, die S-Bahn über ihnen an der Wand abhaken, die Familie ernähren und sich in seiner Kinowelt verlieren. Die Zeit ist die größte Entfernung zwischen zwei Orten. Und Tom wird seinem Vater folgen, der die Familie längst im Stich gelassen hat.

Die Inszenierung von Ragna Guderian ist mit amerikanischer Folklore ausreichend gewässert worden, Toms Schwester Laura (Yvonne Forster) widmet die Songs gleich zu Beginn Dolly Parton, um in der allgemeinen Depression zu vertrocknen. Square Dance lockert die Szenen auf, die Leerrille einer Vinylplatte den sensiblen Background. Laura hat auch eine amerikanische Flagge als Zauberschal. Manchmal muss aber auch gut sein mit den Requisiten. Die Regie lebt von den drei Schauspielern, viel Bewegung ist auf der Bühne naturgemäß ja auch nicht möglich. Mutter Amanda (Monika Bujinski) versucht verzweifelt, die Familie zu retten, lebt aber selbst in einer merkwürdigen Südstaaten-Traumwelt. Laura bemuttert stoisch ihre filigranen Glastierchen in der Aquarium-Menagerie. Tom will weg. Die Regie schwankt zwischen „Halt einfach nur die Schnauze“ (Amanda zu Tom) und „rise and shine“ (Amanda zu Laura). Ein Ersatz muss her. Das ist Jasper Schmitz als Jim O´Connor, der auserkorene Arbeitskollege aus der Fabrik und Schulkamerad von Laura. Expressiv windet er sich hinein auf die Bühne. „And momma blessed it with a kiss“. Zugegeben sein Einstieg ist ein bisschen lang, aber sein Auftauchen gibt allem den Rest. Das Depri-Ende ist an der Rottstraße eher offen: „Jemand sollte sie küssen“.

„Die Glasmenagerie“ | R: Ragna Guderian | Sa 4.6., Fr 24.6. 19.30 Uhr | Rottstr.5 Theater Bochum | 0163 761 50 71

PETER ORTMANN

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