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Peggy Buth, aus der Serie: Kinloch (Missouri, St. Louis County), 2015, Fotografien, ungerahmte Pigmentdrucke
© Peggy Buth, Berlin

Systeme der Ausgrenzung

27. Juli 2017

Peggy Buth in Essen – Ruhrkunst 08/17

Am Anfang steht die Recherche. Peggy Buth transformiert ihre Forschungen und ihre unmittelbaren Erfahrungen in eine visuelle Sprache. Die wichtigsten Medien der 1971 in Berlin geborenen und dort auch lebenden Künstlerin sind die – eigene und vorgefundene – Fotografie sowie verschiedene Formate des animierten oder selbst gedrehten Filmes, auch der filmischen Montage. Diese präsentiert sie in installativ arrangierten Displays. Im Museum Folkwang in Essen hat sie noch Gegenstände von „Originalschauplätzen“ als raumbezogene Objekte hinzugefügt. Mit ihren projektbezogenen Werken ist Peggy Buth richtig gut im Geschäft; das Museum Folkwang stellt nun drei davon vor.

Im Mittelpunkt stehen immer Orte, an denen Utopien der Integration der Vororte in lebenswerte städtebauliche Konzepte und des Zusammenlebens der verschiedenen gesellschaftlichen Schichten gescheitert sind. Dazu konfrontiert sie die Animation einer schönen neuen Immobilienwelt in Pariser Randbezirken mit Videomaterial, das den Abriss von Sozialwohnungen zeigt. Im Kapitel zum US-Bundesstaat Missouri wendet sich Buth besonders der Diskriminierung der Schwarzen am Beispiel des einstigen Vorzeigeprojektes am Martin Luther King Boulevard in St. Louis zu und zeigt, wie es heute dort aussieht.

Ihre Strategie des Assoziativen, das immer weitere Kreise zieht und Stimmungen zwischen Euphorie, Sentimentalität und Wut einfängt, kennzeichnet nun auch die neue Arbeit. Sie blickt vor allem auf die Viertel im Essener Norden. Sie zeigt, wie sich reiche Anwesen nach außen abschotten. Dazu geht Peggy Buth weit in die Historie der Arbeiterklasse zurück. Über den 1. Mai in der Weimarer Republik und die Geschichte der Firma Krupp im Zweiten Weltkrieg reicht der Bogen ihres Filmes in die Gegenwart. Entstanden ist ein ausschweifender Bildessay, der leider nicht auf den Punkt kommt und auch nie die Bildgewalt der beiden vorangehenden Projekte erreicht. Zu viel gewollt, zu wenig strukturiert, ist diese Arbeit in ihrer soziologischen und gesellschaftlichen Brisanz trotzdem einer der derzeit wichtigen künstlerischen Beiträge in der Region.

„Peggy Buth. Vom Nutzen der Angst“ | bis 3.9. | Museum Folkwang Essen | www.museum-folkwang.de

THOMAS HIRSCH

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