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„Howie the Rookie“
Foto: Remer

Piranhas in der Nacht

28. September 2017

„Howie the Rookie“ im Bochumer Rottstr5 Theater – Theater Ruhr 10/17

Nun ja. So wirklich zeitnah ist „Howie the Rookie“ dieses Stück von Mark O'Rowes ja nicht mehr. Junge Unterschicht gibt es ja in Deutschland lange schon nicht mehr, Altersarmut ist das Gespenst, das durch Europa tattert. Doch bei fast allen Theaterstücken wird sich das nach der Wahl sicher ändern. In der Bochumer Rottstr-5-Katakombe wird es noch einmal laut und brutal und böse, irisch eben, genau – die haben ja immer noch junge Verlierer in Dublin. Howie Lee (Maximilian Strestik) und Rookie Lee (Ansgar Sauren), nicht verwandt, nicht verschwägert, kämpfen sich atemlos durch die Nacht, anfangs nicht gemeinsam, eher gegeneinander, doch die Irrungen und Wirrungen, die eingeschliffenen gewalttätigen Routinen, lassen sie verschmelzen und dem bitteren Ende entgegenfliegen.

Kein leichter Weg auch für Regisseur Remo Philipp, der dieses Stück aus zwei Monologen inszeniert. Schon vor dem ersten Wort macht mein Nachbar nebenan ungewollt klar, wo es langgehen wird: Das ist keine Musik, das ist Lärm und da wird drüber gerappt. Er meint zwar die Beschallung, bevor es losgeht, aber irgendwie ist der Satz bei mir hängengeblieben und trifft das Szenario perfekt. Dort leben Menschen im Lärm der sterbenden Gesellschaften und sie erzählen ihre Geschichten, die kaum noch einer hören will. Dabei sind diese Geschichten der beiden jungen Loser miteinander verwoben wie ein Kettenhemd. Anfangs liegt Rookie Lee auf der ollen Matratze, qualmt, kratzt sich am Sack, während Howie Lee seine Sicht des Abends, seine Gleichgültigkeit, das Verprügeln vom Rookie wegen angeblicher Verbreitung von Geschlechtskrankheiten, den sinnlosen Tod seines Bruders kundtut. Die Regie erlaubt keinen Abgang. Howie muss zuhören, während die Zuschauer das ganze Unglück, das scheinbar in einer „Kill Bill“-Situation eskaliert, begreifen müssen. Es ist mal wieder einer dieser intensiven Abende im kleinen Offtheater geworden, dessen 100-Minuten-Albtraum von Ausweglosigkeit lange im Kopf kleben bleibt – eine solche Perspektivlosigkeit, diese Kausalität zwischen Armut und Gewalt. Wehe, wenn auch die Rentner losschlagen. 

„Howie the Rookie“ | R:Remo Philipp | So 1.10. 19.30 Uhr | Rottstr 5 Theater, Bochum | www.rottstr5-theater.de

PETER ORTMANN

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