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Foto: Wulf Ermann

Pädagogisch wertvoll

31. Januar 2019

„Shockheaded Peter“ im Theater im Depot – das Besondere 02/19

„Lustige Geschichten und drollige Bilder“ – wer das liest, denkt bestimmt nicht zuerst an die teils brutalen Storys, die sich der Frankfurter Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann 1844 als Weihnachtsgeschenk für seinen dreijährigen Sohn ausdachte. Der Struwwelpeter und seine einzelnen Kapitel polarisieren seit ihrer Entstehung: Ist es schwarze Pädagogik, wenn dem Daumen lutschenden Konrad eben diese abgeschnitten werden und Paulinchen trotz Warnung wohlmeinender Kätzchen am lebendigen Leib verbrennt? Ist der Suppenkaspar der erste Anorektiker der Medizinhistorie? Oder sind die Geschichten „von den schwarzen Buben“ und dem „wilden Jäger“ nicht doch Appelle für Toleranz und Solidarität mit Schwächeren? Parallel zur Diskussion wurden die Struwwelpeteriaden unzählige Male adaptiert, persifliert und umgeschrieben. Früh gab es die Struwwelliese (Ende des 19. Jahrhunderts als weibliches Pendant), außerdem einen „gynaekologischen Struwelpeter“ für „artige Foeten“, einen britischen „Struwwelhitler“, den Cyber-Peter oder Jan Böhmermanns TV-Adaption von 2018, um nur die Highlights zu nennen. Sogar eine vermutlich erbliche Erkrankung, bei der eine gestörte Vernetzung der Haarproteine zur Unkämmbarkeit führt, firmiert unter dem Namen „Struwwelpeter-Syndrom“.

Wenig wunderlich, dass es der strubbelige Peter längst ins Theater geschafft hat. In der bitterbösen Interpretation der britischen Theaterband The Tiger Lillies genießter als „Shockheaded Peter“ schon seit Anfang der 2000er Jahre Kultstatus. Im Dortmunder Theater im Depot nimmt sich nun das Künstler*innen-Kollektiv Kulturbrigaden der „Junk Opera“ an. Auch in ihrer Inszenierung wird der Kinderbuchklassiker zu dem Stoff, von dem nicht nur die Kleinen Albträume bekommen. Klanglich oszilliert das Musiktheaterstück frei zwischen Zirkusmusik, Brecht-Weill-Nachfolge und Punk. Inhaltlich und optisch dürfte es grotesk und bizarr, aber immer auch ein wenig tragikomisch mit einem Hauch Freakshow werden.

„Shockheaded Peter“ | Fr 22.2. (P), Sa 23.2. 20 Uhr | Theater im Depot, Dortmund | www.depotdortmund.de

Maxi Braun

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